Die Freilassung von 30 in Spanien in Gefangenschaft gezüchteten Kantabrischen Auerhühnern endete mit einem ernüchternden Ergebnis für den Artenschutz: Nach sechs Monaten Monitoring lebte nur noch ein Weibchen. Das Vorhaben im Gebiet Alto Sil in der Provinz León machte deutlich, wie schwierig es ist, bedrohte Vögel wieder auszuwildern, wenn sie sich zugleich gegen Fressfeinde behaupten, ein unbekanntes Revier einschätzen und eigenständig Nahrung finden müssen.
Was geschah nach der Freilassung der Auerhühner?
Die Tiere stammten aus dem Zuchtzentrum Centro de Cría de Valsemana und wurden im Herbst 2025 in das Alto-Sil-Gebiet gebracht – als Pilotversuch zur Bestandsstützung. Der ausgewählte Standort liegt in einem Besonderen Schutzgebiet für Vögel und gilt als wichtiger Raum, um eine Erholung der Art zu erproben.
Ziel war es, vor weiteren – später deutlich umfangreicheren – Freisetzungen zu prüfen, wie sich unter menschlicher Obhut aufgewachsene Tiere in der freien Wildbahn zurechtfinden. Die Auswertung der Radiomarkierung zeigte jedoch, dass die Sterblichkeit bereits in den ersten Monaten extrem hoch war.
Warum starben 29 Tiere so schnell?
Als wichtigste Ursache wurde Prädation genannt. Füchse, Greifvögel und weitere natürliche Beutegreifer trafen auf frisch ausgewilderte Vögel, die sich noch in der Anpassungsphase befanden und daher weniger Routine hatten, Gefahren zu erkennen, Deckung zu finden oder rechtzeitig auszuweichen.
- In Gefangenschaft aufgezogene Vögel kommen während ihrer Entwicklung nicht mit Prädatoren in Kontakt.
- Das bergige Umfeld verlangt sichere Bewegung, geeignete Rückzugsorte und eine schnelle Einschätzung von Bedrohungen.
- Eine Freilassung in offenem Gelände erhöht in den ersten Tagen die Sichtbarkeit und damit das Risiko.
- Die Suche nach natürlicher Nahrung konkurriert unmittelbar mit dem Bedürfnis, sich gleichzeitig zu schützen.
Was macht die Erholung des Kantabrischen Auerhuhns so schwierig?
Das Kantabrische Auerhuhn ist eine an die Gebirge der Kantabrischen Kordillere gebundene Unterart. Seit Jahrzehnten leidet der Bestand unter Lebensraumverlust, Zerschneidung von Waldflächen, Veränderungen in der Landnutzung, geringer Fortpflanzung sowie Prädationsdruck in ohnehin stark ausgedünnten Restvorkommen.
Wenn eine Population bereits sehr klein ist, wiegt jeder Verlust deutlich schwerer. Jedes erwachsene Weibchen ist für die Reproduktion bedeutsam – und jede missglückte Auswilderung zeigt, dass Zucht in Menschenhand allein nicht ausreicht, solange das Freisetzungsgebiet weiterhin ein hohes, nicht abgefedertes Risikoniveau aufweist.
War die Investition umsonst?
Der Versuch wirkt wie ein Misserfolg, wenn man ausschließlich die Zahl der Überlebenden betrachtet. Im Naturschutz kann ein Pilotprojekt jedoch ebenso dazu dienen, Schwachstellen aufzudecken, Risiken zu quantifizieren und Vorgehensweisen anzupassen, bevor weitere Individuen ausgesetzt werden.
- Das Monitoring machte sichtbar, in welchem Zeitraum die Todesfälle eintraten.
- Die erhobenen Daten unterstützen dabei, besonders riskante Phasen und Orte der Freisetzung zu erkennen.
- Das Team kann Akklimatisierung, Flächenauswahl und eine anfängliche Schutzstrategie neu bewerten.
- Der Fall unterstreicht, dass Lebensraumschutz und das Management von Gefährdungen zusammen gedacht werden müssen.
Eine teure Lehre zur Wiederansiedlung bedrohter Arten
Die Geschichte der Auerhühner zeigt: Tiere freizulassen ist nicht gleichbedeutend mit der Wiederherstellung eines Bestands. Damit in Gefangenschaft gezüchtete Vögel überleben, müssen sie geeigneten Wald, Nahrung und Rückzugsräume vorfinden, bei zugleich geringer menschlicher Störung und einer Anfangsphase, in der sie weniger stark Prädatoren ausgesetzt sind.
Dass nur ein einziges Tier überlebte, macht das Projekt zu einem Warnsignal. Der Schutz des Kantabrischen Auerhuhns hängt von mehr ab als von finanziellen Mitteln: Er erfordert ein präzises Verständnis des Gebiets, wirksamen Habitatsschutz, schrittweise Anpassung – und Entscheidungen, die sich an den harten Daten dieser ersten Freilassung orientieren.
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