Eine Frau erhielt kürzlich von einer Kommune ein Bußgeld in Höhe von £150, weil sie vor dem Einsteigen in einen Bus Kaffee in einen Straßenablauf gekippt hatte.
Der Bezirk Richmond Council in London hat das Bußgeld inzwischen zurückgenommen. Der Vorfall hat jedoch eine breite Debatte darüber ausgelöst, ob auf diese Weise entsorgter Kaffee der Umwelt schaden kann.
In Großbritannien werden täglich rund 98 Millionen Tassen Kaffee getrunken, weltweit sind es etwa 2 Milliarden pro Tag. Diese Mengen an Flüssigkeit landen zwangsläufig irgendwo – zu Hause, am Arbeitsplatz oder eben in Eile auf dem Weg zum Bus.
Was für viele zum Morgen dazugehört – der gewünschte Koffein-Kick – kann für die Umwelt zum unerwünschten Eintrag werden, wenn Kaffee über Abflüsse entsorgt wird.
Eine einzelne Tasse scheint kaum ins Gewicht zu fallen. Doch wenn 98 Millionen tägliche Kaffee-Reste im Abfluss verschwinden, wird daraus ein deutlich größeres Problem für Flüsse und Gewässer: Denn damit erhöhen wir die Koffeinbelastung zusätzlich zu dem Koffein, das ohnehin über häusliches Abwasser in die Kanalisation gelangt.
In weiten Teilen des Vereinigten Königreichs gibt es ein Mischwassersystem, bei dem Regenwasser von Straßen und Abwasser aus Haushalten gemeinsam durch dieselbe Leitung zur Kläranlage fließen. Je mehr Koffein in diese Leitungen gelangt, desto mehr kann sich der Reinigung entziehen und am Ende in Flüsse gelangen.
Kaffee besteht aus Hunderten chemischen Verbindungen. Neben Koffein (sofern es nicht entkoffeiniert ist) kommen oft Milch und Zucker dazu; manche Getränke enthalten außerdem Kakao, Gewürze und weitere Zutaten.
Aus Umweltsicht hat vor allem Koffein die größte Bedeutung. Es baut sich weder schnell noch leicht ab und gilt als „emerging contaminant“ – als neu in den Fokus gerückter Schadstoff, weil Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erst seit сравнн recent time systematisch Koffeinwerte messen und es nicht überall überwacht wird.
Schon im Jahr 2003 wurde jedoch festgestellt, dass Koffein Schweizer Seen und Flüsse belastet.
Das heißt aber nicht, dass es unbedenklich wäre, entkoffeinierten Kaffee in den Abfluss zu kippen. Jede Art von Kaffee senkt den pH-Wert von Wasser. Außerdem enthält Kaffee organische Verbindungen, die beim Zersetzen Sauerstoff in Gewässern verbrauchen.
Auch die in Kaffee enthaltenen Nährstoffe fördern Algenwachstum und können in Flüssen und Seen zu zusätzlichem Sauerstoffmangel führen. Das setzt Wasserpflanzen und -tieren zu und kann ihre Lebensdauer potenziell verkürzen.
Warum ist Koffein ein so großes Problem?
Kläranlagen unterscheiden sich stark darin, wie gut und in welchem Umfang sie Koffein entfernen können – je nach Reinigungsverfahren, Anlagenkonzept, Jahreszeit, Temperatur und weiteren Faktoren. Die Bandbreite liegt bei etwa 60–100%. Das bedeutet: Selbst gereinigtes Abwasser kann noch Koffein enthalten, wenn es wieder in Flüsse und Meere eingeleitet wird.
Starkregen verschärft die Lage, wenn die Kapazität der Kanalisation überschritten wird. In solchen Fällen wird unbehandeltes Abwasser gezielt direkt in Flüsse und Gewässer umgeleitet, um zu verhindern, dass Abwasser Wohnungen, Betriebe und Kläranlagen überflutet.
Egal ob über Straßenabläufe oder Toiletten: Ein Teil des Koffeins, das wir konsumieren, gelangt letztlich in unsere Flüsse und aquatischen Lebensräume.
Das ist nicht nur im Vereinigten Königreich ein Thema, sondern weltweit – sogar in der Antarktis. Eine Studie zu 258 Flüssen in 104 Ländern fand an mehr als 50% der beprobten Stellen Koffein.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass Koffein den Stoffwechsel, das Wachstum und die Beweglichkeit bestimmter Süßwasseralgen, Pflanzen sowie Larven aquatischer Fliegen beeinflussen kann – möglicherweise bis hin zum Absterben. Schon geringe Mengen können Meeres- und Pflanzenleben beeinträchtigen.
Was gehört in einen Abfluss – und was nicht?
Straßenabläufe sind Teil unseres Wassersystems. In einen Abfluss sollte nichts gelangen, das man nicht später in einem Fluss, einem See, am Strand oder im Meer wiederfinden möchte.
Das heißt: kein Kaffee und kein Kaffeesatz, keine flüssigen Lebensmittelreste, keine Öle, keine Farbe oder heißen Fette, keine Reinigungsmittel, Bleichmittel, Flüssigkeiten von Bauarbeiten und Ähnliches. Solche Stoffe gehören in die passenden Haushaltsabfallbehälter oder zu Wertstoff- bzw. Recyclinghöfen. Straßenabläufe sollten ihre eine, einfache Aufgabe erfüllen: Regenwasser sammeln, nicht Abwasser.
Und leider macht es wegen des Mischwassersystems im Vereinigten Königreich oft kaum einen Unterschied, ob Flüssigkeiten im Spülbecken oder im Straßenablauf entsorgt werden. Was dem Straßenablauf guttut, ist also auch gut für die Küchenspüle – und für die Umwelt. Ganz pragmatisch betrachtet: Kaffeesatz kann den Siphon der Küchenspüle zudem leicht verstopfen.
Was also tun mit übrig gebliebenem Kaffee?
Wenn regelmäßig Kaffee übrig bleibt, lohnt es sich vielleicht, schlicht weniger Kaffee zuzubereiten. Zu Hause kann man Kaffee-Restflüssigkeit verdünnt als Pflanzenstärkung nutzen. Auch Kaffeesatz und Kaffee können in kleinen Mengen und mit Bedacht im Garten oder in Beeten entsorgt werden.
Zwar kann Kaffeesatz den organischen Anteil im Boden erhöhen. Wer jedoch regelmäßig an derselben Stelle Kaffeesatz ausbringt, riskiert eine Anreicherung von Koffein und Feststoffen – was Pflanzen schadet und die Bodenfunktionen beeinträchtigen kann.
Am besten ist es, Kaffee-Reste über den Kompost oder die Biotonne bzw. die Lebensmittelabfallsammlung zu entsorgen. Gibt es dazu keinen Zugang, sollten Flüssigkeit oder Satz in einen Behälter gefüllt und anschließend im Restmüll entsorgt werden.
Eine jüngste Untersuchung der britischen Regierung kam zu dem Schluss, dass zur Verbesserung des schlechten Zustands von Flüssen und Küsten umfassende Reformen, politische Änderungen und Investitionen nötig sind. Aber auch wir als Einzelne sind Teil davon, wie das Wassersystem funktioniert. Wir können helfen, indem wir Kaffee aus Abflüssen heraushalten – aus unseren Flüssen und aus unserer Umwelt.
Kevin Collins, Dozent, Umwelt & Systeme, The Open University
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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