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Invasive gebietsfremde Pflanzen in Wäldern: Chemie dominiert, Biokontrolle überzeugt

Frau im Wald misst Wasserqualität mit Testgerät und verwendet Tablet zur Datenerfassung.

Weltweit setzen Forst- und Flächenmanager bei der Bekämpfung invasiver gebietsfremder Pflanzen in Wäldern vor allem auf chemische Behandlungen.

Weil diese Massnahmen in der Regel wirken, gab es bislang weniger Druck, alternative Verfahren stärker zu entwickeln und einzusetzen – obwohl diese im Einzelfall sogar bessere Ergebnisse liefern könnten.

Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Der erfolgreichste Ansatz ist häufig ein ganz anderer, wird in der Praxis aber weiterhin zu den am seltensten genutzten Methoden gezählt.

Zugleich machte die Auswertung eine weitere zentrale Lücke sichtbar: Nur in sehr wenigen Untersuchungen wurde überhaupt dokumentiert, was die jeweiligen Bekämpfungsmethoden kosten.

Ein globaler Blick auf invasive Pflanzen

Die Arbeit wurde von Lizzie Keen geleitet, Doktorandin an der School of Natural and Environmental Sciences der Newcastle University. Hauptverantwortliche (Principal Investigator) war Dr. Zarah Pattison von der University of Stirling.

In ihrer Promotion verfolgt Keen, wie sich ein besonders aggressiver Neophyt durch alte Wälder ausbreitet.

Für die vorliegende Übersichtsarbeit bündelte das Team die weltweit verstreuten Erkenntnisse zur Bekämpfung von Waldinvasoren zu einem zusammenhängenden Gesamtbild.

Untersucht wurden 192 veröffentlichte Studien aus 26 Ländern. Insgesamt umfasste die Analyse 623 unterschiedliche Kombinationen aus Pflanzenart und angewandter Bekämpfungsmethode.

Damit gehört die Auswertung zu den bislang breitesten Bestandsaufnahmen dessen, was Forstpraktiker tatsächlich tun – nicht dessen, was Leitlinien empfehlen.

Pflanzen breiten sich rasant in Wälder aus

Die Datenbasis war deutlich unausgewogen. Allein die Vereinigten Staaten stellten 61 Prozent der Studien.

Gleichzeitig trugen Länder mit sehr grosser Waldfläche und bekannten Invasionsproblemen – darunter China, Indien und Russland – nur wenige Untersuchungen bei oder gar keine.

Eine der invasiven Arten, die auch in Keens eigener Forschung im Mittelpunkt steht, ist das Drüsige Springkraut (Himalayan balsam). Diese einjährige Pflanze mit rosa Blüten kann höher als ein Mensch werden, bildet entlang von Flüssen dichte Bestände und dringt zunehmend auch in Wälder vor.

War die Art früher überwiegend an Uferbereichen zu finden, breitet sie sich inzwischen schnell in bewaldete Flächen aus.

Dabei verdrängt sie heimische Pflanzen. Stirbt sie im Herbst ab, bleibt häufig nackter Boden zurück, der besonders anfällig für Erosion ist.

Der Sog der Chemie

Über alle Länder und Arten hinweg war ein Muster klar erkennbar: Chemische Verfahren dominierten die Praxis. Sie machten 41 Prozent aller eingesetzten Massnahmen aus – mit deutlichem Abstand zur nächsthäufigen Kategorie.

Den Grossteil der chemischen Anwendungen trugen drei Wirkstoffe. Auf Glyphosat entfiel ein Viertel der chemischen Behandlungen, danach folgten Triclopyr und Imazapyr.

Zwei dieser drei Wirkstoffe sind Breitbandmittel – sie unterscheiden also nicht zwischen der Zielpflanze und den daneben auflaufenden heimischen Sämlingen.

Von 258 chemischen Behandlungen in der Auswertung verschlechterte exakt eine die Invasionssituation.

Warum bleibt die Praxis dennoch so stark auf diese Option fixiert, obwohl die Übersichtsarbeit ausdrücklich Alternativen einfordert? Keen und Pattison beantworteten das in einem Interview mit Earth.com direkt.

„Die aktuelle Literatur zeigt, dass viele Praktiker mehr Vertrauen in chemische Bekämpfungsmethoden haben als in alternative Managementstrategien, was zur anhaltenden Abhängigkeit von chemischen Eingriffen beitragen könnte“, sagten die Forschenden gegenüber Earth.com.

Sie betonten, dass Alternativen wie die biologische Bekämpfung durchaus nachweisbare Erfolge vorweisen.

Das Nadelöhr sei jedoch der Weg bis zur Zulassung: hohe finanzielle Vorleistungen, lange Phasen von Forschung und Tests sowie die behördliche Freigabe, bevor überhaupt etwas ausgebracht werden darf.

„Ein starkes Erbe der Nutzung chemischer Methoden könnte zudem Bemühungen bremsen, nicht-chemische Ansätze zu entwickeln“, sagte Keen.

Was tatsächlich funktionierte

Bei der biologischen Bekämpfung wird der invasive Neophyt nicht mit Mitteln „übergossen“, sondern mit lebenden Organismen unter Druck gesetzt. Das kann bedeuten, ein Insekt oder einen Pilz freizusetzen, der die Pflanze gezielt angreift – oder heimische Arten anzupflanzen, die den Eindringling konkurrenzieren.

Dort, wo dieser Ansatz angewendet wurde, fiel die Bilanz sehr positiv aus. Die biologische Bekämpfung erzielte in 80 Prozent der Anwendungen positive Ergebnisse – der beste Wert aller einzelnen Methoden, die in der Übersichtsarbeit betrachtet wurden.

Trotzdem gehörte sie zu den seltensten Strategien. Weltweit wurden bei nur neun invasiven Pflanzen in sieben Ländern wirtsspezifische biologische Gegenspieler freigesetzt – das war bereits die gesamte Stichprobe.

Ein wesentlicher Grund ist der Aufwand, die regulatorischen Hürden zu nehmen. In Neuseeland liegen die geschätzten Kosten für die Genehmigung, einen völlig neuen Gegenspieler zu testen und freizusetzen, bei NZ$364,550; für einen bereits zuvor eingesetzten (wiederholten) Gegenspieler bei etwa NZ$138,300.

Zeitpunkt und Fläche beeinflussen den Erfolg

Nicht nur die Methode selbst entschied über den Ausgang, sondern auch Ort und Zeitpunkt.

So war Feuer gegen Japanisches Stelzengras (Japanese stiltgrass) in Indiana im Herbst wirksamer als im Frühjahr. In Connecticut zeigte derselbe Ansatz hingegen keinen Unterschied zwischen den Jahreszeiten.

Auch die Massstabsfrage spielte eine grosse Rolle. Handjäten auf Versuchsflächen von etwa 0,5 × 0,5 Metern lieferte ausnahmslos positive Resultate.

Wurde die Fläche auf 2 × 2 Meter oder mehr vergrössert, sank die Erfolgsquote auf 55 Prozent. Was im kleinen Testfeld funktioniert, lässt sich also nicht automatisch auf einen ganzen Hang übertragen.

Kostenangaben sind entscheidend

Nur sechs Prozent der 192 Studien nannten überhaupt Kosten für das Management. Und selbst unter den rund zwölf Arbeiten, die Zahlen lieferten, verwendete keine dieselbe Messgrösse.

Einige kalkulierten pro Einzelpflanze, andere pro Hektar, andere in Arbeitsstunden, wieder andere als Gesamtausgaben des Projekts.

Dort, wo sich Kosten standardisieren liessen, reichten sie von einem einzigen Cent bis zu $1.20 pro behandeltem Quadratmeter (also ungefähr pro 1 m²).

Gefragt, welcher Befund aus der Übersichtsarbeit zusätzlich besonders wichtig sei, verwiesen Keen und Pattison genau auf diese Leerstelle. Erst wenn bekannt ist, was jede Methode kostet, lassen sich knappe Zeit- und Finanzmittel dort einsetzen, wo sie den grössten Nutzen bringen.

„Zwei Methoden können ein ähnliches Erfolgsniveau erreichen, aber eine kann deutlich teurer sein als die andere – deshalb sind Kosteninformationen entscheidend für fundierte Entscheidungen“, erklärten die Forschenden gegenüber Earth.com.

Pattison beschäftigt sich seit Jahren damit, wie nicht-heimische Pflanzen Bestände übernehmen. „Nicht-heimische Pflanzen dringen weltweit in Wälder ein, und dennoch wissen wir noch immer nicht, wie man sie am besten managt“, sagte sie.

„Dort, wo Management stattfindet, bitten wir Landmanager und Forschende eindringlich, zentrale Informationen zu Kosten, behandelter Fläche und Arbeitszeit zu dokumentieren.“

Das grösste Hindernis: fehlende Evidenz

Als Earth.com nach der grössten einzelnen Lücke fragte, die bessere Kontrolle invasiver Pflanzen verhindert, ging es in der Antwort nicht um Herbizide, Käfer oder Pilze.

„Der Mangel an zugänglichen Berichtsmechanismen für Praktiker und Flächenmanager könnte eine der bedeutendsten Barrieren für die Verbesserung des Managements invasiver nicht-heimischer Pflanzen darstellen“, sagten Keen und Pattison.

Viel wertvolle Felderfahrung schaffe es nicht in die Evidenzbasis, erklärten sie – schlicht, weil es keinen naheliegenden Ort gebe, diese Informationen zu hinterlegen.

Ein einfaches Melderahmenwerk, das die wichtigsten Angaben erfasst, ohne die berichtende Person zu überlasten, würde dieses fehlende Wissen sichtbar machen.

Wird ein solches System zudem mehrsprachig angeboten, werde das Bild vollständiger, fügten sie hinzu – und schliesse Regionen ein, die die derzeitige englisch- und spanischsprachige Literatur kaum abdeckt.

„Die Einrichtung eines einheitlichen Berichtssystems würde die Sammlung vergleichbarer Daten erleichtern, die Evidenzbasis stärken und fundiertere Entscheidungen zur Wirksamkeit verschiedener Bekämpfungsmethoden unterstützen“, sagte das Forschungsteam gegenüber Earth.com.

Der künftige Kampf gegen invasive Pflanzen

Die Übersichtsarbeit stellt Herbizide nicht als „Bösewicht“ dar. Ihr Kernpunkt ist vielmehr, dass weltweit die Datengrundlage fehlt, um beurteilen zu können, ob eine günstigere, sicherere oder dauerhaft wirksamere Alternative denselben Zweck erfüllen würde.

In der Hälfte der Studien wurden die Effekte weniger als 35 Monate lang verfolgt. Ausserdem tauchten 71 der 99 untersuchten invasiven Pflanzen jeweils nur in einer einzigen Studie auf.

Auf einer so dünnen Evidenz lässt sich kein belastbarer Methodenvergleich aufbauen. Die Abhilfe ist bemerkenswert pragmatisch: dokumentieren, was behandelt wurde, wie viel Zeit und Geld es gekostet hat – und was danach passiert ist.

Ohne solche Kennzahlen wird sich der weltweite Umgang mit invasiven Pflanzen weiterhin ebenso stark auf Gewohnheit stützen wie auf belastbare Daten.

Bildnachweis: Lizzie Keen

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