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Neue Studie aus Deutschland: Umarmungen mit 1 bis 3 Personen täglich und psychische Gesundheit

Drei Menschen umarmen sich auf einem Sofa in einem warmen Wohnzimmer mit Tee und offenem Buch.

Alltägliche Gesten wie eine Umarmung können für die psychische Gesundheit bedeutsamer sein, als es auf den ersten Blick wirkt. Eine neue Studie zeigt: Erwachsene, die pro Tag nur wenige Menschen umarmen, berichten seltener von Depressionen, Angst und Suizidgedanken.

Dabei wird körperliche Nähe nicht als Nebensache des Soziallebens behandelt, sondern als messbarer Bestandteil emotionalen Wohlbefindens.

In einer grossen Stichprobe aus Deutschland liefen Muster der psychischen Gesundheit eng parallel dazu, wie häufig Teilnehmende angaben, andere zu umarmen.

Unter der Leitung von Andre Hajek am University Medical Center Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte sich der deutlichste Zusammenhang bei Personen, die täglich ein bis drei Menschen umarmten.

Jenseits dieser Spanne wurden die Zusammenhänge kleiner – ein Hinweis darauf, dass mehr Kontakt nicht automatisch mehr Schutz bedeutet.

Umarmungen und psychische Gesundheit

In einer Befragung von 3.270 Erwachsenen in Deutschland stellten die Forschenden tägliche Umarmungsgewohnheiten den Ergebnissen von Screenings zur psychischen Gesundheit gegenüber.

Wer jeden Tag eine Person umarmte, hatte geringere Chancen für Depressionssymptome: Das Chancenverhältnis lag bei 0.65, was bedeutet, dass das Risiko niedriger war als bei Personen, die niemanden umarmten.

Dasselbe Muster zeigte sich auch bei Angst und Suizidgedanken. Für das tägliche Umarmen einer Person lagen die Chancenverhältnisse bei 0.73 (Angst) und 0.66 (Suizidgedanken).

Am stärksten waren die Zusammenhänge insgesamt bei Teilnehmenden, die zwei oder drei Personen pro Tag umarmten. Wer vier oder mehr Menschen täglich umarmte, zeigte hingegen nur noch einen Zusammenhang mit Depression.

Umarmungen und Symptome im Blick

Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 74 Jahre alt und gaben an, wie viele Menschen sie pro Tag umarmten. Rund ein Viertel berichtete, täglich niemanden zu umarmen; etwa 38 Prozent umarmten eine Person, und 31 Prozent nannten zwei oder drei Personen.

Nur sechs Prozent sagten, sie umarmten vier oder mehr Menschen am Tag – eine kleine Gruppe, die etwa bestimmte Berufe oder soziale Kontexte widerspiegeln könnte, in denen häufige Berührung verbreiteter ist.

Diese Unwucht ist relevant, weil seltene Verhaltensweisen am oberen Rand besonders stark wirken können, obwohl nur wenige Personen tatsächlich in diese Kategorie fallen.

Für die Erfassung der psychischen Gesundheit nutzte das Team etablierte Screening-Instrumente statt klinischer Diagnosen. Depressive Symptome wurden mit dem Patienten-Gesundheitsfragebogen-9 (PHQ-9) gemessen; Angst wurde über die Sieben-Item-Skala zur generalisierten Angststörung (GAD-7) erfasst.

Zusätzlich wurde eine einzelne Frage aus der Depressions-Checkliste verwendet, um Suizidgedanken in den letzten zwei Wochen abzubilden und die Ergebnisse damit an aktuelle Belastung zu koppeln.

In Kombination erlaubten diese Instrumente, Symptomniveaus über mehrere Tausend Teilnehmende hinweg einheitlich zu vergleichen.

Wie Umarmungen Stress beeinflussen

Körperliche Berührung kann dem Gehirn über Druck und Wärme Sicherheit signalisieren und dadurch Stresssysteme innerhalb weniger Minuten stabilisieren.

In einem Laborexperiment zeigten Frauen, die nach einer Stressaufgabe von ihrem Partner umarmt wurden, niedrigere Cortisolwerte – ein Hormon, das zur Stressreaktion des Körpers gehört und in Blut sowie Speichel gemessen wird.

Weniger Cortisol steht häufig für einen ruhigeren inneren Zustand, bei dem Herz und Immunsystem gleichzeitig weniger belastet werden. Auch wenn diese Biologie nicht belegt, dass Umarmungen Krankheiten verhindern, trägt sie dazu bei zu erklären, warum Nähe als erleichternd erlebt werden kann.

In der neuen Studie lagen die stärksten Zusammenhänge zur psychischen Gesundheit im mittleren Bereich – bei Menschen, die täglich eine kleine Zahl enger Kontakte umarmten.

Dieses Muster könnte auf stabilere Beziehungen hindeuten, weil regelmässige Umarmungen oft von Personen kommen, die Alltagsdruck teilen und fortlaufende Unterstützung bieten.

Selbst kurze Momente von Wärme können sozialem Rückzug entgegenwirken und Menschen verbunden halten, wenn Traurigkeit oder Sorgen ihren Alltag zunehmend einengen.

Hajek warnte jedoch vor zu weitgehenden Schlüssen und schrieb, dies sei „only an initial, speculative explanation.“

Wann Umarmungen nicht mehr helfen

Sehr häufiges Umarmen kann Unterschiedliches bedeuten – etwa eine Erwartung im Job oder einen sozialen Stil, bei dem schnelle Begrüssungen üblich sind.

„However, it is also possible that frequent hugs are not necessarily an expression of deep friendships and connections.“ sagte Hajek.

In solchen Situationen kann eine Umarmung emotional weniger Gewicht haben, weil sie eher Höflichkeit signalisiert als Unterstützung.

Ausserdem steigt bei grossen Zahlen die Wahrscheinlichkeit, dass Berührung als aufgedrängt erlebt wird – und unerwünschter Kontakt kann Anspannung verstärken, statt sie zu lösen.

Was die Studie nicht beweisen kann

Da es sich um Querschnittsdaten handelte – also um Informationen, die zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben wurden –, lässt sich daraus keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten.

Depression und Angst können den sozialen Radius verkleinern. Daher ist es möglich, dass Menschen seltener umarmen, weil es ihnen schlecht geht, und nicht umgekehrt.

Das UKE-Team konnte ausserdem nicht abbilden, wer die Umarmung initiierte, weil die Befragung nur die Anzahl der Personen zählte, nicht aber den Kontext.

Nicht sichtbare Einflüsse wie Wohnsituation oder gesundheitliche Einschränkungen können sowohl Nähe als auch Stimmung prägen – selbst dann, wenn Forschende statistisch dafür zu kontrollieren versuchen.

Die Rolle von Berührung im Alltag

Behandlung bleibt zentral, und eine Umarmung kann weder Therapie noch Medikamente oder Krisenhilfe ersetzen, wenn Symptome schwer werden.

Der Beitrag der Studie liegt vielmehr in der Erinnerung daran, dass alltägliche Verbundenheit für die psychische Gesundheit eine Rolle spielt – weil körperlicher Kontakt oft soziale Unterstützung und Rückversicherung transportiert.

Einverständnis ist dabei entscheidend. Eine erzwungene Umarmung kann bedrohlich wirken, und viele Menschen meiden Berührung aus nachvollziehbaren persönlichen, kulturellen oder medizinischen Gründen.

Programme, die soziale Verbindung fördern, brauchen deshalb Spielraum und sollten Alternativen zu Umarmungen anbieten, damit niemand in eine Kontaktform gedrängt wird, die Unbehagen auslöst.

So verstanden ist Umarmen weniger ein Heilmittel als ein Signal. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es als kleiner Marker sozialer Verbundenheit dienen könnte, der häufig mit geringerer Belastung einhergeht.

Künftige Studien, die Menschen über längere Zeit begleiten, können prüfen, ob Veränderungen in der Berührung mit Veränderungen der psychischen Gesundheit mitlaufen – ohne mehr zu versprechen, als die Evidenz hergibt.

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