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Taucher entdecken Svælget 2: 600 Jahre altes mittelalterliches Frachtschiff nahe Kopenhagen

Zwei Taucher untersuchen ein versunkenes hölzernes Schiffwrack mit antiken Amphoren auf dem Meeresboden.

Taucherinnen und Taucher vor Kopenhagen haben ein mittelalterliches Frachtschiff mit einer Länge von rund 28 Metern freigelegt. Damit gilt es als das bislang grösste bekannte Schiff dieser Bauart.

Das etwa 600 Jahre alte Wrack wurde bei Hafenvermessungen im dänischen Sund (Øresund) entdeckt. Es trägt den Namen Svælget 2 und bewahrt ungewöhnlich viele, sonst kaum erhaltene Aufbauten.

Unterwasser-Archäologie im Einsatz

Meeresarchäologinnen und -archäologen vom dänischen Viking Ship Museum beteiligten sich an den Untersuchungen des Meeresbodens im Rahmen der Lynetteholm-Vermessungen im Sund. Gearbeitet wurde von einem Forschungsschiff aus.

Geleitet wurde der Einsatz von Otto Uldum, einem Schiffsarchäologen, der Unterwassergrabungen koordiniert und sich damit befasst, wie Schiffe ausgerüstet waren.

Im Zentrum seiner Arbeit steht die Dokumentation mittelalterlicher Schiffbauweisen anhand erhaltener Hölzer – und die Frage, wie sich diese Bau-Details in der Praxis des Segelns tatsächlich ausgewirkt haben.

Um den Rumpf in seiner Lage zu erfassen, nutzten die Taucher Sauggeräte, mit denen sich Sand abtragen lässt, ohne die Holzfasern zu beschädigen. So konnte das Team den Schiffskörper am Fundort systematisch kartieren.

Für Massengut ausgelegt

In der Geschichtsforschung wird dieser Schiffstyp als Kogge bezeichnet: ein breites Frachtschiff, das für den Transport von Massengütern gebaut wurde.

Typisch war ein einzelner Mast mit einem Rahsegel; zudem erlaubte ein flacher Boden, auch in seichten Häfen aufzusetzen.

Mit etwa 9 Metern Breite war der Laderaum des Wracks auf rund 330 Tonnen (300 metrische Tonnen) Fracht ausgelegt.

Dieses Zusammenspiel aus grossem Volumen und hoher Stabilität machte es möglich, auf langen Routen regelmässig alltägliche Materialien zu bewegen – nicht nur kostbare Luxuswaren.

Takelage der Kogge Svælget 2, die selten erhalten bleibt

Das Wrack liegt in etwa 13 Metern Tiefe und damit unterhalb des Bereichs, den Sturmwellen oft erreichen – Wellen, die hölzerne Schiffskörper üblicherweise auseinanderreissen.

Eine dicke Schicht aus Sand und Schlick bremste zudem die Sauerstoffzufuhr in den Planken. Dadurch wurden Mikroorganismen gehemmt, die wassergetränktes Holz sonst zersetzen.

Bemerkenswert ist, dass Teile der Takelage erhalten blieben: Seile und Beschläge, mit denen Segel bedient werden, darunter seltene Blöcke sowie Spann- und Zugteile, wie sie für grosse Fahrten benötigt wurden.

„It is extraordinary to have so many parts of the rigging,“ sagte Uldum.

Jahrringe verraten die Herkunft

Mithilfe der Dendrochronologie datierten Forschende die Eichenhölzer auf etwa 1410: Dabei werden Jahrringmuster mit regionalen Chronologien abgeglichen.

Da ein Baum pro Jahr einen Ring bildet, lassen sich durch das Matching ganzer Ringfolgen Zeitfenster eingrenzen, in denen eine Planke gefällt und verarbeitet worden sein muss.

Die Auswertung ergab, dass Planken aus Pommern stammten, das heute zu Polen gehört. Für die inneren Spanten wurde dagegen Holz verwendet, das in den Niederlanden gewachsen war.

Diese Kombination deutet auf eine organisierte Lieferkette hin: Vor dem Zusammenbau mussten schwere Eichenstämme aus weit voneinander entfernten Regionen beschafft werden.

Handelssysteme hinter der Grösse

Ein Frachtschiff dieser Dimension zu betreiben, setzte verlässliche Abnehmer voraus – ebenso Kreditmöglichkeiten und Hafenstrukturen, die Massengut zügig be- und entladen konnten.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts verknüpfte die Hanse zahlreiche Handelsstädte und sorgte dafür, dass Waren über zentrale Ostseehäfen in Bewegung blieben.

Indem die Handelsregeln zwischen Städten geteilt wurden, wurde der Verkauf von Ladungen für Geldgeber kalkulierbarer.

„Svælget 2 is a tangible example of how trade developed during the Middle Ages,“ sagte Uldum.

Gegenstände aus dem Alltag an Bord

Nach einem Untergang verschwindet die eigentliche Fracht meist rasch – und bei Svælget 2 wurden bislang keine erhaltenen Handelsgüter gefunden.

Leder und Holz können jedoch überdauern, wenn sie dauerhaft nass bleiben und luftdicht abgeschlossen sind; beim Austrocknen beschleunigt Sauerstoff den Zerfall.

Aus dem Wrack bargen Archäologinnen und Archäologen Schuhe, einen Holzkamm sowie bemalte Keramikschalen, die einst beim Essen in der Nähe standen.

Solche Funde halten die Geschichte auf menschlicher Ebene – selbst dann, wenn die Ladung fehlt und die Namen der Crew verloren sind.

Ein Achterkastell tritt zutage

Hölzer am Heck zeichnen ein Achterkastell nach: einen erhöhten Deckaufbau, der der Besatzung am hinteren Schiffsteil Schutz bot.

Da viele Wracks lediglich im unteren Bereich überliefert sind, verschwinden Aufbauten normalerweise, weil Wellen sie abbrechen.

Uldum erklärte, dass solche Kastelle bisher vor allem aus Darstellungen in der Kunst bekannt waren – und dass dieses Wrack rund 20-mal mehr Holz zur Untersuchung liefert.

Dieses zusätzliche Material ermöglicht es, zu prüfen, wie der Aufbau Lasten trug und Gischt abhielt, statt allein aus Zeichnungen zu schliessen.

Kochen auf See

Nahe der Wrackmitte legten die Forschenden eine gemauerte Kombüse frei: einen kleinen, in das Schiff integrierten Kochbereich.

Die Feuerstelle bestand aus etwa 200 Ziegeln und 15 Fliesen; das Mauerwerk schützte die umliegenden Planken davor, durch Hitze anzukohlen.

Neben der Herdstelle lagen Kochutensilien aus Bronze und Keramik – ein Hinweis darauf, dass die Mannschaft unterwegs warme Speisen zubereiten konnte.

„It speaks of remarkable comfort and organization on board,“ sagte Uldum und verwies auf Indizien für geplantes Kochen und Disziplin an Bord.

Was nach der Ausgrabung folgt

Nach der Dokumentation des Rumpfs erstellen Teams häufig zunächst einen digitalen Gesamtbefund, bevor überhaupt an eine Bergung zu denken ist – denn Unterwasserholz kann beim Bewegen zerbröseln.

Dazu setzte das Team Photogrammetrie ein: Aus vielen überlappenden Fotos wurden 3D-Modelle berechnet, um Hölzer zu vermessen, ohne sie wiederholt anfassen zu müssen.

Diese Dokumentation hilft der Konservierung, Stützen zu planen – weil beim Trocknen wassergetränkte Zellstrukturen kollabieren und sich das Holz verzieht oder schrumpft.

Bei Svælget 2 werden sorgfältige Lagerung und Analyse daher ebenso entscheidend sein wie die Ausgrabung selbst: Viele Antworten stecken in den Details.

Ein Schiff, das Welten verbindet

Svælget 2 verknüpft Rumpfdesign, erhaltene Takelage und Alltagsgegenstände mit den Handelssystemen, die die grosse Seeschifffahrt des Mittelalters finanzierten.

Weitere Schritte hängen davon ab, das Holz zu stabilisieren und vollständige Vermessungen zu veröffentlichen – denn ein einzelnes Wrack kann nie jeden Hafen und jede Praxis repräsentieren.

Informationen basieren auf einer Pressemitteilung des Viking Ship Museum.

Foto: Viking Ship Museum.

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