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Militär und Klima: 5.5 Prozent der globalen Emissionen und Umweltschäden durch Kriege

Verwüstetes Schlachtfeld mit verrostetem Militärfahrzeug, Spuren, verstreutem Munitionsschrott und einer trinkenden Antilope.

Streitkräfte verbrauchen Treibstoff, bewegen gewaltige Erdmassen und zerstören Infrastruktur im industriellen Maßstab. In den Bilanzen, mit denen die Welt Umweltschäden erfasst, taucht dieser Anteil jedoch fast nirgends auf.

Eine im Mai 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wollte zusammenführen, was dazu überhaupt belastbar bekannt ist. Das daraus entstehende Gesamtbild zeigt Folgen, die noch Jahrzehnte nach dem letzten Schuss nachwirken.

Die Lücke in der Bilanzierung ist enorm

Doorgha Ragoobur, Sarah A. Saran und Soroush Abolfathi sichteten 263 wissenschaftliche Publikationen sowie 36 Berichte aus den Jahren 2014 bis 2025. Für die Auswertung nutzten sie die PRISMA-Methode, wie sie bei formalen Evidenz-Reviews üblich ist.

Die Autorinnen und Autoren ordneten die Ergebnisse vier Themenfeldern zu: Treibhausgase, Wassersysteme, Ackerland und Ernährungssicherheit sowie natürliche Ökosysteme.

Jedes dieser Felder betrachteten sie über drei Zeitphasen hinweg: vor einem Konflikt, währenddessen und in der Nachkriegszeit.

Nach ihrer Schätzung verursachen militärische Operationen 5.5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Würden die Streitkräfte der Welt als ein Staat gezählt, lägen sie damit auf Rang vier der größten Emittenten.

Die Berichterstattung hält mit dieser Realität nicht Schritt. Laut Review bilden die Meldungen an die United Nations Framework Convention on Climate Change weniger als ein Zehntel der tatsächlichen militärischen Emissionen ab. Nach den aktuellen Regeln bleibt der Großteil freiwillig.

Die Schätzungen bleiben umstritten

Die Zahl 5.5 Prozent kommt nicht ohne Einschränkung. Forschende der Newcastle University bezifferten den militärischen Anteil 2022 auf ungefähr 1 bis 5 Prozent. Das liegt in einer Größenordnung, die mit Luftfahrt oder Schifffahrt vergleichbar ist.

Warum die Spanne so groß ausfällt, hat einen klaren Hintergrund: Das Kyoto-Protokoll nahm militärische Emissionen aus Gründen der nationalen Sicherheit aus.

Mit dem Paris Agreement wurde die Berichterstattung anschließend in die Hand der einzelnen Staaten gelegt, und bis heute gibt es keine einheitlich anerkannte Methode, um die notwendigen Daten systematisch zu erheben.

Damit ist die Richtung des Effekts gut belegt, die genaue Größenordnung aber nicht. Wer mit einer einzelnen Zahl argumentiert, sollte deshalb immer benennen, wessen Zahl das ist.

Wildtierbestände gehen zurück, verschwinden aber selten vollständig

Die robusteste Datenbasis zu Tieren stammt aus einer über Jahre aufgebauten Studie in Nature.

Joshua Daskin und Robert Pringle von der Princeton University verfolgten 253 Populationen aus 36 Arten großer Pflanzenfresser. Ihr Datensatz umfasste 126 afrikanische Schutzgebiete und reichte von 1946 bis 2010.

In 71 Prozent dieser Reservate kam es in diesem Zeitraum zu Konflikten. Wie häufig Konflikte auftraten, erwies sich als der wichtigste einzelne Prädiktor für die Entwicklung der Wildtierbestände - und lag damit vor allen anderen geprüften Einflussfaktoren.

Die kritische Schwelle lag niedriger als erwartet: Populationen, die in friedlichen Gebieten stabil blieben, begannen schon bei einem kleinen Anstieg der Konflikthäufigkeit zu schrumpfen.

Ein Ergebnis fiel jedoch gegenläufig aus: Obwohl Bestände zurückgingen, kollabierten sie nur selten so stark, dass eine Erholung nicht mehr möglich gewesen wäre.

Gorongosa National Park verlor fast alles

Der Gorongosa National Park in Mosambik zeigt beide Seiten dieses Musters. Ein Befreiungskrieg und danach 15 Jahre Bürgerkrieg löschten mehr als 90 Prozent der großen Tiere im Park praktisch aus.

Später kam es dennoch zu einer deutlichen Erholung. Daskin besuchte das Gebiet erstmals 2012 und sah, wie die ikonischen Arten zurückkehrten. Diese Erfahrung gab den Anstoß für die kontinentweite Auswertung.

Die Schlussfolgerung gilt in beide Richtungen: Krieg kann ein Schutzgebiet beinahe vollständig leeren - und dasselbe Gebiet kann sich wieder füllen, wenn die Kämpfe enden und Schutzmaßnahmen wieder greifen.

Wasser und Boden speichern die Schäden

Die Übersichtsarbeit von 2026 hob Wasser als Faktor hervor, der andere Risiken verstärkt.

Zerstörungen an Stauseen, Aufbereitungsanlagen und gemeinsam genutzten Flüssen verschärfen Wasserunsicherheit. Zugleich steigen Spannungen zwischen Staaten, die auf dieselbe Ressource angewiesen sind.

Böden erholen sich langsamer als Wasser. Explosionen und zerstörte Ausrüstung hinterlassen Schwermetalle, und diese bauen sich nicht einfach ab.

Wenn überhaupt saniert wird, verläuft die Reinigung häufig langsam und teuer. Einige neuere Verfahren setzen dabei auf einheimische Mikroben, die Schadstoffe aus dem Grundwasser entfernen.

Zusätzlich bedrohen kumulative Bodenstörungen die Lebensmittelproduktion, weil Ackerflächen nahe einer Front oft über Jahre nicht sicher bewirtschaftet werden können.

Auch die Zerstörung großer Gewässer hat eigene Klimaeffekte: Der trockengefallene Boden des Aralsees hat Hunderte Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. Diese Zahl deutet an, was das Trockenlegen von Feuchtgebieten bewirken kann.

Manche Flächen werden unbenutzbar

Landminen und nicht explodierte Munition verursachen eine besondere Form von Schaden. Sie machen Gebiete nicht zwingend biologisch wertlos, sondern verhindern den Zugang - Landwirtinnen und Landwirte, Hirtinnen und Hirten sowie Ranger bleiben fern, obwohl die Fläche ökologisch oft intakt bleibt.

Die Vereinten Nationen zählten allein im Jahr 2023 mehr als 170 bewaffnete Konflikte. Bis zum Jahresende waren weltweit nahezu 120 million Menschen vertrieben.

In stark verminten Ländern erstreckt sich Räumung über Zeiträume von Jahrzehnten.

Hinzu kommt militärische Flächennutzung in Friedenszeiten. Ein 2025 für die IUCN erstelltes Briefing bezifferte Militärübungsplätze auf 1 bis 6 Prozent der Erdoberfläche.

Emissionen bleiben auch nach Waffenruhen hoch

Mit einem Waffenstillstand enden die Emissionen nicht. Florian Krampe, Joakim Kreutz und Tobias Ide beschrieben 2026, was häufig danach passiert: Der militärische CO₂-Ausstoß bleibt nach großen Konflikten oft über Jahre erhöht.

Staaten halten Truppen mobilisiert - etwa gegen Abspaltungsgruppen oder bei erneuten Spannungen - und Nachbarländer erhöhen als Reaktion ihre Militärausgaben.

Danach kommt der zusätzliche Fußabdruck des Wiederaufbaus hinzu, vor allem durch Beton, Stahl und Treibstoff.

Gleichzeitig verlieren beschädigte Ökosysteme Klimafunktionen. Verbrannte Wälder und trockengelegte Feuchtgebiete nehmen weniger Kohlenstoff auf; die Schwächung großer Kohlenstoffsenken verstärkt damit jede weitere Quelle.

Nicht jede Wirkung läuft nur in eine Richtung

Zur ehrlichen Bilanz gehört auch, Ausnahmen zu benennen. Konflikte können Menschen aus bestimmten Landschaften verdrängen, Bergbau sowie Holzeinschlag zum Erliegen bringen und gelegentlich entvölkerte Räume entstehen lassen, die Wildtiere nutzen.

Tschernobyl veranschaulicht dieses Prinzip, auch wenn dort ein Unfall und kein Krieg zur Räumung führte. Jahrzehnte später funktioniert die Sperrzone als Rückzugsraum, in dem sich große Tiere fortpflanzen.

Gerade diese Uneindeutigkeit erklärt, weshalb die Netto-Wirkung so lange unklar blieb. Einzelne Fallstudien zeigten in unterschiedliche Richtungen, bis ausreichend Daten gebündelt wurden, um einen Durchschnittseffekt zu bestimmen.

Dieser Durchschnitt fiel negativ aus. Lokale Gegenbeispiele gibt es, aber sie drehen das Gesamtmuster nicht um.

Bessere Zahlen würden helfen

Beide Forschungsteams kommen bei den nächsten Schritten zu ähnlichen Empfehlungen. Das Review von 2026 fordert standardisierte und transparente Berichte zu militärischen Emissionen - mit der Begründung, dass Politik nichts steuern kann, was niemand misst.

Daskin und Pringle plädierten für eine zweite Art von Investition: dauerhafte Naturschutzarbeit in Konfliktzonen und schnelle Intervention, sobald Waffenruhen stabil sind.

Ihre Daten sprechen dafür, dass sich dabei häufig Populationen finden würden, die weiterhin erholungsfähig sind.

Der Zusammenhang wirkt außerdem in die andere Richtung: Klimastress kann Instabilität verstärken, und Forschende können inzwischen kartieren, wo das Konfliktrisiko durch Kombinationen klimatischer Bedingungen steigt.

Erholung in anderen Regionen liefert zumindest eine grobe Orientierung für die Zeitskalen. Selbst Landschaften, die als dauerhaft geschädigt gelten, können wieder zuwachsen, wenn der Druck nachlässt. Das ist die wohl einzige wirklich ermutigende Nachricht, die dieses Thema bereithält.

Die systematische Übersichtsarbeit erschien im Journal of Environmental Management. Die Wildtieranalyse erschien in der Zeitschrift Nature.

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