Die meisten Tierhalterinnen und Tierhalter würden ohne Zögern sagen, dass ihr Haustier das Leben besser macht – besonders dann, wenn es stressig wird.
Wenn sich die Katze an ein Knie schmiegt oder der Hund nach einem langen Tag die Nähe sucht, wirken solche Augenblicke wie ein handfester Beleg dafür, dass da mehr ist als Einbildung.
Auch die Forschung vermutet seit Jahrzehnten einen Zusammenhang. Trotzdem blieb die Beweislage hinter diesem warmen Gefühl erstaunlich uneinheitlich.
Während manche Studien klare Vorteile des Zusammenlebens mit Tieren zeigen, finden andere gar keinen Effekt – oder berichten sogar von Nachteilen.
Ein Team aus den Niederlanden wollte genauer hinschauen. Es ging ihnen nicht nur darum, ob Haustiere helfen, sondern wodurch – und ob Katzen und Hunde auf unterschiedliche Weise wirken.
Bringen Haustiere einen emotionalen Nutzen?
In diesem Forschungsfeld dominiert seit Jahren eine zentrale Annahme: Tiere sollen uns vor allem dann beruhigen, wenn das Leben stressig wird – gewissermassen als emotionaler Stossdämpfer.
Diese Idee wird als Stresspuffer-Hypothese bezeichnet. Sie klingt plausibel, wurde aber im unaufgeräumten Alltag bislang kaum direkt verfolgt.
Das Team der Open University in den Niederlanden prüfte diese Annahme deshalb gezielt. Gleichzeitig wollten die Forschenden wissen, ob sich ein möglicher Effekt zwischen Katzen- und Hundehalterinnen und -haltern unterscheidet.
Fünf Tage ganz normaler Alltag
Für die Untersuchung wurden 188 Hunde- und Katzenbesitzende in den Niederlanden und Belgien gewonnen. Alle lebten ihr normales Leben weiter, während eine App sie in zufälligen Momenten benachrichtigte.
Diese Abfragen kamen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen bis zu 10 Mal pro Tag. Jedes Mal dokumentierten die Teilnehmenden ihre Stimmung, ihr aktuelles Stresserleben und ob sie gerade mit ihrem Tier interagierten.
Die Methode nennt sich ökologische Momentaufnahme-Erhebung. Sie erfasst Gefühle unmittelbar in der Situation – statt auf unsichere Erinnerungen Wochen später zu setzen.
Am Ende kamen fast 8,000 Momentaufnahmen in Echtzeit zusammen. Eine solche Datenmenge ist in Studien zu Haustieren und Emotionen selten.
Haustiere heben die Stimmung
Das wichtigste Ergebnis fiel positiv aus: In Momenten, in denen mehr Kontakt mit dem Haustier stattfand, berichteten die Besitzerinnen und Besitzer mehr positive Gefühle und weniger negative.
Dieses Muster blieb bestehen, nachdem Alter, Geschlecht und die Frage, ob jemand gerade allein war, statistisch berücksichtigt wurden. Auffällig war dabei auch: Alleinsein hing für sich genommen mit einer schlechteren Stimmung zusammen.
Damit spricht vieles dafür, dass Haustiere im Alltag tatsächlich einen spürbaren, kleinen emotionalen Auftrieb geben – sie scheinen die gewöhnlichen Momente wirklich aufzuhellen.
Katzen und Hunde wirken ähnlich
Die erste Überraschung: Der Effekt hing nicht von der Tierart ab.
Menschen mit Hund und Menschen mit Katze berichteten nahezu identische emotionale Zugewinne. Das Team hatte eher erwartet, dass Hunde vorn liegen würden – nicht zuletzt wegen ihres Rufs als besonders kontaktfreudig.
„Hundehalterinnen und -halter bezeichneten sich wahrscheinlich eher als ‚Hunde-Menschen‘, während Katzenhalterinnen und -halter sich eher als ‚Katzen-Menschen‘ einordneten“, sagte Erstautorin Dr. Sanne Peeters, Forscherin an der Open University.
„Es ist möglich, dass dieses ‚Passungsgefühl‘ zwischen Halterin oder Halter und Tier teilweise erklärt, warum die Befunde bei Hunden und Katzen so ähnlich ausfielen.“
Die Stresspuffer-Hypothese gerät ins Wanken
Dann ging es um den Kernpunkt: Dämpft der Kontakt mit dem Haustier tatsächlich die Wirkung eines stressigen Ereignisses?
Die Auswertung ergab: nein. Über alle Teilnehmenden hinweg schützte es die Stimmung nicht, sich in einem akut stressigen Moment dem Tier zuzuwenden.
Mitautor Dr. Mayke Janssens, Assistenzprofessorin für Psychologie an der Open University, ordnete das Ergebnis ein.
„Unsere Befunde deuten darauf hin, dass Stresspufferung nicht der Mechanismus ist, der momentanes emotionales Wohlbefinden bei der Interaktion mit einem Haustier erklärt. Interaktion mit beiden Arten wirkte nicht als Puffer für negative Emotionen“, sagte Janssens.
„Die positiven Effekte von Interaktionen mit Haustieren auf das Wohlbefinden scheinen real zu sein, aber sie treten offenbar nicht deshalb auf, weil Haustiere Menschen genau in dem Moment helfen, in dem Stress entsteht, besser damit umzugehen.“
„Intensivere Interaktion mit dem Begleittier brachte keine zusätzlichen emotionalen Vorteile über das hinaus, was möglicherweise bereits dadurch entsteht, dass das Tier einfach anwesend ist.“
Manche Tiere können Stressgefühle verstärken
Bei gestressten Katzenhalterinnen und -haltern war mehr Interaktion nicht mit weniger, sondern mit stärkeren negativen Gefühlen verbunden.
„Bei Katzen beobachteten wir sogar, dass ein höheres Interaktionsniveau mit einer stärkeren Verbindung zwischen Stress und negativen Emotionen bei den Besitzerinnen und Besitzern einherging“, merkte Janssens an.
Der Effekt war klein, zudem umfasste die Katzengruppe nur 58 Personen. Die Forschenden raten daher ausdrücklich dazu, diese Beobachtung nicht zu überinterpretieren.
„Eine spekulative Erklärung ist, dass Interaktionen mit Katzen häufig passiver und weniger fordernd sind; ein höheres Mass an Interaktion könnte deshalb emotional stärker aktivieren. Das passt in stressigen Momenten möglicherweise nicht zu dem, was an Unterstützung gebraucht wird“, sagte Peeters.
Eine ganz andere Erklärung
Wenn also nicht akute Stressentlastung der Motor ist – was könnte dann den Stimmungsschub erklären?
„Es könnte sein, dass die Interaktion mit einem Haustier ein Gefühl von Gesellschaft vermittelt und dass Haustiere Menschen helfen, sich verbundener und weniger allein zu fühlen – was wiederum zu einem besseren emotionalen Wohlbefinden beitragen kann“, sagte Janssens.
Mit anderen Worten: Der Nutzen könnte eher aus der alltäglichen Nähe entstehen als aus einer Art Rettung in Krisen. Vielleicht liegt der Wert im Gewöhnlichen – nicht im Ausnahmezustand.
Kein Sieger, nur persönliche Vorlieben
Wer gewinnt also die alte Debatte? Auf Basis dieser Daten: niemand.
„Ich würde nicht sagen, dass eine Art das ‚bessere‘ Haustier ist als die andere“, schloss Peeters.
„Vielmehr hängt es wahrscheinlich von Persönlichkeit und Vorlieben der Halterinnen und Halter ab. Das wichtigste Ergebnis ist, dass die Interaktion mit Hunden und Katzen ähnliche emotionale Vorteile zu bieten scheint.“
Die Botschaft dreht sich damit weniger um Katze gegen Hund – und mehr um die Beziehung selbst. Wer das Tier wählt, das zu ihm passt, bekommt den täglichen Trost meist ganz von allein.
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