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Cozumel-Zwergfuchs: Foto belegt die Wiederentdeckung nach über 20 Jahren

Kleiner Fuchs in einem Wald, neben einem Forscher, der Notizen macht, und Kameras auf dem Boden und Baum befestigt.

Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg wirkte ein kleiner grauer „Zwergfuchs“ auf der mexikanischen Insel Cozumel eher wie eine Erzählung als wie ein tatsächlich lebendes Tier. In der Bevölkerung kursierten Berichte, und Forschende hatten sogar Knochenfunde aus dem Boden geborgen.

Trotzdem gelang lange niemandem der Nachweis, dass er noch durch die Wälder streift. Die letzte wirklich glaubwürdige Sichtung datierte auf das Jahr 2001.

Erst an einem Morgen im September 2023 änderte sich das: Ein verwirrter, kleiner Fuchs tauchte in der Nähe einer Küstenstrasse auf – und ein Rettungsteam konnte endlich den Beleg sichern, auf den so viele gewartet hatten.

Eine neue Veröffentlichung in Neotropical Biology and Conservation rekonstruiert den Ablauf und macht deutlich, weshalb ein einziges Foto in diesem Fall so bedeutsam ist.

Eine Insel voller Miniaturen

Cozumel liegt unmittelbar vor der Ostküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Weil die Insel klein und isoliert ist, weisen viele dortige Tiere eine auffällige Gemeinsamkeit auf.

Mehrere Arten sehen aus wie verkleinerte Ausgaben ihrer Verwandten vom Festland. So gibt es auf Cozumel einen eigenen Zwergwaschbären sowie einen eigenen Zwerg-Nasenbären – beide kommen weltweit nur dort vor.

Der Fuchs gehört in dieselbe ungewöhnliche Reihe, auch wenn die Wissenschaft ihm bislang noch keinen offiziellen Namen gegeben hat.

Taxonomisch wird er der Gattung Urocyon zugeordnet, die bis heute lediglich zwei lebende Arten umfasste. Die eine ist der verbreitete Graufuchs, der in weiten Teilen Amerikas vorkommt.

Die andere ist der Insel-Fuchs der kalifornischen Channel Islands, der gerade wegen seiner geringen Körpergrösse bekannt ist.

Warum Inseln Tiere schrumpfen lassen

Das Leben auf Inseln kann Tiere über lange Zeiträume verändern. Wenn eine Population in einem begrenzten Gebiet mit wenig Nahrung und nur wenigen Räubern festgesetzt ist, setzt sich evolutionär häufig eine kleinere Körpergrösse durch.

Dieses Muster bezeichnen Forschende als Inselzwergwuchs. Beim Cozumel-Fuchs ist der Effekt besonders deutlich.

Ältere Knochenfunde deuten darauf hin, dass er lediglich 60 bis 80 Prozent der Grösse eines normalen Graufuchses erreicht.

Die gleichen Funde sprechen zudem dafür, dass seine Vorfahren irgendwann zwischen vor 5.000 und 37.000 Jahren auf der Insel isoliert wurden – möglicherweise lange bevor die Maya dort eintrafen.

Die Rettung des Cozumel-Zwergfuchses

Der entscheidende Durchbruch war letztlich Glück. Am frühen Morgen des 14. September 2023 häuften sich in Beiträgen und Anrufen Hinweise auf einen benommen wirkenden Fuchs an der Küste.

Die Fundación de Parques y Museos de Cozumel reagierte umgehend. Gegen 6 Uhr morgens entdeckte das Team ein erwachsenes Männchen nahe Kilometer 29 der Küstenstrasse.

Der leitende Autor Rafael Chacón machte ein Foto, auf dem das Tier halb im Laub verborgen zu sehen ist. Diese einzelne Aufnahme wurde zum ersten Foto, das jemals von dieser Art aufgenommen wurde.

In den folgenden Tagen behielt das Team den Fuchs unter Beobachtung und führte eine vollständige Gesundheitskontrolle durch. Am 17. September, kurz vor Tagesanbruch, wurde er wieder freigelassen.

Ein sichereres Revier im Süden

Zurück an den belebten Strassenrand, an dem das Tier gefunden worden war, brachte man den Fuchs nicht. Gemeinsam mit den mexikanischen Wildtierbehörden PROFEPA und CONANP entschied sich das Team für einen ruhigeren Ort: das staatliche Schutzgebiet Laguna Colombia an der Südspitze der Insel.

Dort treffen tropischer Wald, Feuchtgebiete und Küstendünen aufeinander; dichte Deckung und ausreichend Nahrung sind vorhanden. Genau so ein Lebensraum wirkt geeignet, damit dieser Fuchs bestehen kann.

Travis Bayer von Pathos Wildlife, einer der Autoren der veröffentlichten Arbeit, bleibt bei der Einordnung bewusst vorsichtig: „Die Wiederentdeckung des Fuchses ist noch keine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes, aber sie bedeutet eine zweite Chance“, sagte er.

Der Cozumel-Fuchs hat keinen Namen

Obwohl er seit Jahrtausenden isoliert lebt, hat dieser Fuchs bis heute keinen formalen wissenschaftlichen Namen erhalten. Weder wurde sein Körperbau eingehend untersucht noch seine DNA analysiert.

Vorläufig wird er lediglich mit der Platzhalter-Bezeichnung Urocyon sp. geführt. Auch sein Verbreitungsgebiet scheint äusserst klein zu sein: Nördlicher als bis zum Dorf El Cedral wurde er noch nie beobachtet.

Die Zeit läuft

Die Perspektive bleibt unsicher. Die südlichen Wälder, auf die die Art angewiesen ist, geraten unter Druck – durch neue Bauprojekte, veränderte Landnutzung, invasive Arten und Stürme.

Zudem schneiden Strassen den Lebensraum, was vermutlich erklärt, weshalb das fotografierte Tier überhaupt orientierungslos in der Nähe des Verkehrs auftauchte. Forschende führen den Fuchs bereits als „vom Aussterben bedroht“ und befürchten, dass er kurz vor dem Verschwinden stehen könnte.

„Die grösste Herausforderung für den Cozumel-Fuchs ist, dass wir immer noch fast nichts über ihn wissen – einschliesslich der verbleibenden Populationsgrösse, der Verbreitung oder der Ökologie“, sagte Bayer.

„Allein diese Unsicherheit ist gefährlich, weil sie wirksamen Naturschutz extrem schwierig macht.“

Der Cozumel-Fuchs bekommt eine zweite Chance

Mit der Aufnahme soll nun konkrete Arbeit angestossen werden: Erhebungen, um die Zahl der Tiere zu erfassen, genetische Untersuchungen, um sie besser einzuordnen, und Schutz für den verbliebenen Lebensraum.

„Letztlich hoffen wir, dass diese Arbeit dazu beiträgt, den Cozumel-Fuchs von einer wenig bekannten, unsicheren Präsenz auf der Insel zu einem besser verstandenen, wichtigen Teil der Ökosysteme von Cozumel zu machen“, ergänzte Bayer.

„Wir hoffen ausserdem, dass sie zeigt, dass Naturschutz oft dann am dringendsten ist, wenn die Gewissheit am geringsten ist – und dass Unsicherheit selbst ein Aufruf zum Handeln sein kann.“

Er betonte ausserdem, dass Arten verschwinden können, bevor die Welt überhaupt bemerkt, dass sie weg sind. Viele stellten sich Aussterben als etwas Plötzliches und Offensichtliches vor, tatsächlich verlaufe es jedoch häufig langsam und ausser Sicht – insbesondere bei seltenen Tieren in abgelegenen oder kaum erforschten Regionen.

Ein unscharfes Gesicht im Gras wirkt vielleicht unspektakulär. Für diesen Fuchs ist es ein Lebenszeichen – und womöglich ein Grund zur Hoffnung.

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