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A-68 und Larsen C: Über 1.000 Fischnester in der Weddellsee stützen ein Meeresschutzgebiet

Unterwasseraufnahme mit Fischen, Steinkreisen auf dem Meeresboden und einem leuchtenden gelben Tauchroboter.

2017 brach ein gigantischer Eisberg mit der Bezeichnung A-68 vom Schelfeis Larsen C ab – und eröffnete der Forschung damit eine seltene Chance: Ein grosser Abschnitt des Meeresbodens, der zuvor unter dem Eis verborgen gewesen war, wurde erstmals zugänglich.

Ein Forschungsteam aus britischen Einrichtungen nutzte dieses Zeitfenster und stiess auf etwas, das so bislang nicht dokumentiert worden war. Die Ergebnisse schildern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer Studie in Frontiers in Marine Science.

Ein Eisberg (A-68) macht den Meeresboden der Weddellsee zugänglich

Mit Hilfe einer ferngesteuerten Unterwasserkamera entdeckte das Team mehr als tausend Fischnester – sorgfältig freigeräumte Stellen im Plankton-Detritus am Grund des Ozeans.

Nicht allein die Menge der Nester machte den Fund aussergewöhnlich, sondern vor allem ihre Anordnung. Das geordnete Muster dieses Ökosystems wird als weiteres Argument dafür gewertet, diesen Teil der Weddellsee als Meeresschutzgebiet auszuweisen.

„Diese Studie dokumentiert eine grosse und weit verstreute Nestansammlung des gelbflossigen Notothenioiden, Lindbergichthys nudifrons, in der westlichen Weddellsee, einem Gebiet, das durch das jüngste Abkalben des Schelfeises Larsen C zugänglich wurde“, schreiben die Forschenden in ihrer veröffentlichten Arbeit.

„Der wichtigste Befund ist die Entdeckung von sechs unterschiedlichen, geometrischen Nestmustern, die nach unserer Auffassung in erster Linie durch biotische Wechselwirkungen – nämlich Prädationsdruck – und nicht durch abiotische Faktoren geprägt werden, wie sie in anderen grossen antarktischen Fischbrutkolonien beobachtet werden.“

Gelbflossen-Notothenioide (Lindbergichthys nudifrons): Nester, Eier und Brutpflege

Der Eisfisch L. nudifrons, auch als Gelbflossen-Notie bekannt, wird bis zu 19,5 cm lang (etwa 7,7 Zoll) und wurde erstmals 1905 als Art beschrieben. In jedes Nest können mehrere tausend Eier abgelegt werden; anschliessend bewachen die Männchen die Gelege bis zu vier Monate lang.

Weddellsee-Expedition 2019: Unterwasserrobotik statt Schiffswrack

Neben der Untersuchung von Unterwasser-Ökosystemen hatte die in der Studie beschriebene Antarktis-Mission auch den Auftrag, das Wrack von Sir Ernest Shackletons Schiff Endurance aufzuspüren, das 1915 in derselben Region gesunken war.

Auch wenn das Wrack diesmal nicht gefunden wurde (es wurde schliesslich 2022 entdeckt), waren die Fischnester allgegenwärtig.

„Nistplätze wurden an allen Orten gefunden, die während der Weddellsee-Expedition 2019 an Bord der SA Agulhas II mit dem ferngesteuerten Fahrzeug untersucht wurden“, schreiben die Forschenden.

Sechs geometrische Nestmuster – und warum sie entstehen könnten

Die Forschenden unterschieden sechs klar abgegrenzte Muster, in denen die Nester am Meeresboden angeordnet waren. Am häufigsten trat die als „Cluster“ bezeichnete Variante auf: Sie machte 42 Prozent aller gefundenen Nester aus.

Bei diesem Muster liegen die Nester sehr dicht beieinander – in einzelnen Fällen berühren sie sich sogar oder überlappen sich. Anders als bei vielen Nestkolonien anderer Fischarten lagen diese Nester nicht in wärmeren Wassermassen. Das spricht dafür, dass Temperatur nicht der Grund für die Häufung war.

Stattdessen vermutet das Team, dass die Gruppierung der Nester vor allem dem Schutz dient.

Denn in einer grossen Gruppe steigt die Sicherheit: Mehrere männliche Fische patrouillieren an den Rändern der Cluster. Zudem könnte die hohe Nestdichte den Geruch der Eier für bestimmte Räuber „verwischen“, weil sich die Duftspuren überlagern und dadurch schwerer zu verfolgen sind.

„Dies würde das Risiko für Nester im Zentrum des Clusters deutlich verringern“, schreiben die Forschenden.

„Ein solches defensives Muster ist zwar neu für diese Art, aber ein gut dokumentiertes Phänomen in Nistkolonien von Fischen in flachen tropischen Riffumgebungen, wo es ebenfalls einem erhöhten Schutz vor Prädation zugeschrieben wird.“

Bedeutung für das Ökosystem und die Debatte um ein Meeresschutzgebiet

Die Rolle der Gelbflossen-Notie in der Nahrungskette macht den Fisch – und damit auch seine Nest-Cluster – zu einem wichtigen Baustein des antarktischen Ökosystems.

Obwohl die Weddellsee als Forschungsgebiet schwer zugänglich ist, wie schon Shackleton und andere erfahren mussten, zeigt der Fund, dass in der Tiefe weiterhin reiches Meeresleben existiert. Das verstärkt aus Sicht der Autorinnen und Autoren den Bedarf, die Region als Schutzgebiet auszuweisen – für Fische und andere Organismen unter der Wasseroberfläche ebenso wie für besser sichtbare Tiere wie Pinguine und Robben.

„Diese Ergebnisse liefern entscheidende Belege für einzigartige, strukturierte Fortpflanzungshabitate, erfüllen zentrale Kriterien für die Ausweisung gefährdeter mariner Ökosysteme und stärken das Argument für das vorgeschlagene Meeresschutzgebiet in der Weddellsee“, schreiben die Forschenden.

Die Studie wurde in Frontiers in Marine Science veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde von Rachel Garner auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Trotz unseres Anspruchs an sorgfältige Arbeit sind wir nur Menschen. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, geben Sie uns bitte Bescheid.

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