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Neue Studie der University of Stirling: Landnutzungsänderung, Ökosystemrestaurierung und Krankheitsrisiko

Wissenschaftlerin im weißen Kittel zeigt auf Tablet mit Karte in einer grünen Wiese mit grasenden Kühen.

Wenn Wälder gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt oder Strassen gebaut werden, sind die Folgen auf den ersten Blick klar erkennbar. Weniger auffällig ist, wie solche Eingriffe das Leben am Boden neu ordnen – welche Tierarten zuziehen, welche verschwinden und wie häufig Menschen und Wildtiere einander begegnen.

Viele Krankheiten des Menschen haben ihren Ursprung nicht bei uns. Sie entstanden zunächst in Tieren und fanden neue Möglichkeiten, als sich Landschaften veränderten und natürliche Barrieren kleiner wurden. Je geringer diese Distanz ausfällt, desto eher kommt es zu Begegnungen, die riskant sein können.

Eine neue Untersuchung der University of Stirling zeigt, dass Landnutzungsänderungen eng mit dem Krankheitsrisiko verknüpft sind – und dass selbst Massnahmen zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme diese Risiken mitunter auf unerwartete Weise verschieben können.

Während weltweit immer mehr Geld in Renaturierung und Wiederherstellung fliesst, betonen Forschende: Zu verstehen, wann Natur uns schützt – und wann sie das Risiko kurzfristig erhöhen kann – ist zu einer zentralen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit geworden.

Wie Landnutzung Krankheiten begünstigt

Die Studie verknüpft Veränderungen der Landnutzung mit einem höheren Risiko für zoonotische Krankheiten, darunter Covid-19 und Malaria. Besonders im Fokus stehen Erkrankungen, die über Moskitos, Nagetiere und Fledermäuse verbreitet werden.

Dabei nennt die Arbeit mehrere typische Entwicklungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen: Entwaldung, die Ausweitung der Landwirtschaft, schnell wachsende Städte sowie Lebensräume, die in immer kleinere Fragmente zerschnitten werden.

„Da Menschen natürliche Landschaften zunehmend verändern, kommen Menschen und Wildtiere einander näher. Das kann es erleichtern, dass neue Krankheiten entstehen oder sich bestehende ausbreiten“, sagte Dr. Adam Fell von der Fakultät für Naturwissenschaften der University of Stirling.

„Gleichzeitig gibt es weltweit wachsende Investitionen in die Wiederherstellung degradierter Umwelten, um dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken.“

Trotzdem ist das Wissen darüber erstaunlich lückenhaft: Ob die Wiederherstellung von Ökosystemen Krankheitsrisiken senkt – oder sie in bestimmten Situationen vorübergehend sogar erhöht – ist bislang nur unzureichend geklärt.

Die Studie macht deutlich, dass Entscheidungen über Landnutzung und Renaturierung unmittelbare Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben können. Zugleich unterstreicht sie, wie wichtig es ist zu verstehen, wie Restaurationsmassnahmen das Krankheitsrisiko beeinflussen, während die globalen Investitionen weiter zunehmen.

Verborgene Krankheitsrisiken bei der Renaturierung

Der Begriff „Restaurierung“ umfasst sehr unterschiedliche Ansätze. Manchmal bedeutet er, dass sich ein geschädigtes Gebiet mit möglichst wenig Eingriffen erholen darf.

In anderen Fällen geht es um das Pflanzen von Bäumen, die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, das erneute Verbinden von Habitatkorridoren oder um Veränderungen in der Landbewirtschaftung.

Die Forschenden stellten fest, dass bestimmte Aufforstungs- und Wiederbewaldungsprojekte das Krankheitsrisiko in frühen Erholungsphasen erhöhen können – insbesondere bei durch Moskitos oder Zecken übertragenen Krankheiten.

Frühe Regenerationsstadien können Schattenverhältnisse, Wasserläufe und Bewegungsmuster von Tieren so verändern, dass sich einige Krankheitsüberträger vorübergehend besonders gut vermehren.

Das bedeutet nicht, dass Baumpflanzungen „schlecht“ sind. Es heisst vielmehr, dass Zeitpunkt und Gestaltung entscheidend sind. Eine Fläche in der Anfangserholung kann neue Brutplätze für Moskitos schaffen, wenn sich Wasser an ungünstigen Stellen sammelt, oder die Aktivität von Wildtieren so verschieben, dass Zecken leichter geeignete Wirte finden.

In vernachlässigten Regionen ist das Risiko am grössten

Ein weiterer Teil der Studie richtet den Blick weniger auf das, was bekannt ist, sondern auf die grossen Wissenslücken. Die Forschenden fanden heraus, dass sich die meisten bisherigen Studien auf wohlhabendere Länder konzentriert haben – obwohl ein grosser Teil der Krankheitslast anderswo anfällt.

Weite Teile Afrikas, Südostasiens und Lateinamerikas, in denen sowohl Landnutzungsänderungen als auch Krankheitsrisiken hoch sind, wurden bislang nicht detailliert genug untersucht.

Um das Forschungsfeld voranzubringen, benannten die Forschenden 50 prioritäre Orte weltweit, an denen neue Studien besonders wertvoll wären.

Zudem entwickelten sie einen offenen Online-Atlas, der politischen Entscheidungsträgern sowie Fachleuten aus dem öffentlichen Gesundheitswesen helfen soll, künftige Massnahmen dort auszurichten, wo sie voraussichtlich am meisten bewirken.

Klügere Wege, Ökosysteme wiederherzustellen

Dr. Fell betont, dass die Ergebnisse eine grosse Lücke im globalen Verständnis darüber offenlegen, wie Renaturierung das Krankheitsrisiko verändert – und zugleich praktikable Wege zeigen, diese Lücke zu schliessen.

Die Studie definiert Schwerpunktgebiete für künftige Forschung. Ausserdem stellt sie einen offenen, interaktiven Online-Evidenzatlas bereit, der politischen Entscheidungsträgern, Naturschutzpraktikern und Verantwortlichen im Gesundheitswesen dabei hilft, Wiederherstellung so zu planen, dass sowohl Menschen als auch Natur profitieren.

Die Resultate stützen zudem einen One-Health-Ansatz: Sie zeigen, dass Umweltrestaurierung – wenn sie sorgfältig entworfen und überwacht wird – dazu beitragen kann, künftige Krankheitsrisiken zu senken, statt sie zusätzlich zu erhöhen.

Gesundheit, Natur und Krankheit zusammendenken

One Health geht davon aus, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt eng miteinander verknüpft ist – und dass Massnahmen zur Verbesserung von Ökosystemen auch Krankheitsdynamiken verändern können.

Vorhaben, die Biodiversität stärken oder Kohlenstoff speichern sollen, können Lebensräume von Moskitos, Nahrungsangebote für Nagetiere und Ruheplätze von Fledermäusen umgestalten. Dadurch entstehen mögliche Nebeneffekte, die bei Messungen mit nur einem Ziel leicht übersehen werden.

Dr. Luci Kirkpatrick, wissenschaftliche Leiterin des Naturschutzprojekts RESTOREID, sagte, die Arbeit zeige, warum Biodiversität für das menschliche Wohlergehen unverzichtbar sei.

„Biodiversität ist nicht nur entscheidend für sauberes Wasser oder dafür, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern“, sagte sie. „Sie ist die Grundlage unserer künftigen Gesundheit.“

Wenn Renaturierung gut umgesetzt werde, ergänzte Kirkpatrick, könne sie „ein entscheidendes Instrument werden, um die Treiber künftiger pandemischer Spillover einzudämmen“.

Die vollständige Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Sustainability veröffentlicht.

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