Zum Inhalt springen

Neue Ernteameise Messor odrysarum in den Östlichen Rhodopen Bulgariens entdeckt

Mann untersucht ein Loch im Boden mit einem Probenbehälter und macht Notizen in einem Feldbuch in der Natur.

Wissenschaftler haben in Südosteuropa eine bislang unbekannte Ernteameise entdeckt – ein weiterer Baustein, um die Biodiversität der Region genauer zu erfassen.

Ernteameisen sammeln nicht nur Samen: Durch das Einsammeln, Lagern und Verbreiten von Samen können sie beeinflussen, wie sich Pflanzenarten in der Landschaft verteilen.

Auch ihre unterirdischen Gänge wirken sich auf den Boden aus, etwa indem sie zur Durchlüftung beitragen. Der Fund unterstreicht zudem, dass selbst in vermeintlich gut untersuchten Gegenden noch unbeschriebene Arten vorkommen können.

Ein Name mit historischem Bezug

Mit der neu beschriebenen Art steigt die Zahl der in Bulgarien anerkannten Messor-Arten auf neun.

Albena Lapeva-Gjonova von der Universität Sofia (Bulgarien) und Lech Borowiec von der Universität Wrocław (Polen) konnten zeigen, dass es sich um eine von allen bislang bekannten Arten unterscheidbare Ameise handelt.

Den Artnamen odrysarum wählten sie in Anlehnung an den antiken thrakischen Staat Odrysien, der zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. gegründet wurde. Zu dessen historischen Grenzen gehörte auch das Gebiet, in dem die neue Art gefunden wurde.

In den Östlichen Rhodopen

Messor odrysarum ist eine Tieflandart und wurde in den Östlichen Rhodopen Bulgariens bis in Höhen von etwa 647 Metern nachgewiesen.

Die Forschenden fanden Nester entlang von unbefestigten Wegen, die durch Eichenwälder sowie offene Graslandschaften führen.

Die Nesteingänge liegen ebenerdig; im Spätsommer wurden in der Nähe der Eingänge Samenreste beobachtet.

Diese verstreuten Reste passen zu dem für Ernteameisen typischen Nahrungserwerb, bei dem Samen als wichtige Ressource gesammelt und eingelagert werden.

Messor odrysarum is currently only known from the Eastern Rhodopes in Bulgaria, possibly also occurring in the Thracian region of Greece and Türkiye,“ erklären die Forschenden.

Abgrenzung zu Messor oertzeni

Auf den ersten Blick erinnert die neue Art stark an einen nahen Verwandten, Messor oertzeni. Um die Unterschiede sicher herauszuarbeiten, war daher eine sehr sorgfältige Analyse nötig.

Das Team stützte die Artabgrenzung auf eine Kombination aus klassischer morphologischer Untersuchung und COI-DNA-Barcoding.

Bei dieser Methode werden kurze Abschnitte des Erbguts miteinander verglichen, um nahe verwandte Arten besser unterscheiden zu können.

Die neue Ameise gehört zur Messor structor-Artengruppe, weist jedoch mehrere Merkmale auf, die sie klar separieren.

Im Vergleich zu ihren nächsten Verwandten ist sie kleiner; eine rötliche Färbung findet sich nur im unteren Wangenbereich des Kopfes.

Ausserdem verjüngt sich der Kopf hinter den Augen. Hinzu kommen dichtere Behaarung an Kopf und Mesosoma sowie ein längerer Fühlerschaft (Antennenscape).

Bestätigung anhand mehrerer Kasten

Die Beschreibung basiert nicht auf einem einzelnen auffälligen Exemplar. Untersucht wurden 35 Arbeiterinnen, drei Königinnen und drei Männchen, die an vier Fundorten in den Östlichen Rhodopen Bulgariens gesammelt wurden.

Mit leistungsstarken Mikroskopen erfassten die Forschenden zehn Körpermerkmale, darunter Kopfbreite, Augenlänge, Beinlänge und die Grössen der Taillensegmente.

Dass alle drei adulten Kasten einbezogen wurden, lieferte ein vollständigeres Bild der Variation innerhalb einer Kolonie. Die genetischen Daten stützten die morphologischen Befunde.

Ein COI-Barcode – eine genetische Sequenz, die häufig zur Bestimmung von Tierarten eingesetzt wird – zeigte, dass Messor odrysarum am nächsten mit Messor oertzeni verwandt ist. Dennoch betrug die genetische Distanz zwischen beiden 5.72%.

Zusammen mit Unterschieden bei Körpergrösse, Färbung, Kopfform, Haardichte und Antennenlänge spricht dies dafür, dass es sich eindeutig um eine eigenständige Art handelt.

Ein weiteres Puzzlestück der Biodiversität

Die Entdeckung einer neuen Art ist mehr als nur ein zusätzlicher Name in einer Liste. Innerhalb der Gattung Messor gibt es zahlreiche Arten, die sich äusserlich erstaunlich ähnlich sehen – was die Bestimmung erschwert.

Wenn solche verborgenen Unterschiede Schritt für Schritt aufgedeckt werden, wächst das Verständnis dafür, wie sich Arten entwickelt haben und wie sie miteinander verwandt sind.

Die formale Erstbeschreibung von Messor odrysarum trägt ausserdem dazu bei, langjährige Unklarheiten in dieser komplexen Gruppe besser einzuordnen.

Hinweise zur Evolution von Ameisen

Forschende haben zudem festgestellt, dass einige Messor-Arten ungewöhnliche Fortpflanzungsstrategien zeigen.

Dazu können Hybridisierung und Xenoparie gehören – eine seltene Fortpflanzungsstrategie, bei der Nachkommen aus genetisch unterschiedlichen Linien hervorgehen.

Die Studie aktualisiert ausserdem das Wissen zu Messor oertzeni, indem sie eine seltene moderne Neubeschreibung der Königin (Gyne) auf Basis frisch gesammelter Exemplare liefert.

Zusammengenommen zeichnen diese Ergebnisse ein klareres Bild einer Ameisengruppe, die trotz jahrzehntelanger Forschung weiterhin viele offene Fragen bereithält.

Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift ZooKeys.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen