Mehr als viertausend Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von WestJet, der zweitgrössten Fluggesellschaft Kanadas, nehmen ihren Dienst wieder auf. Vorausgegangen war eine vorläufige Einigung zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft – damit endet ein historischer Streik, der durch Streit über die Bezahlung ausgelöst worden war.
Streikbeginn und weitere Gespräche bei WestJet
Die Kabinencrews der WestJet-Hauptlinie legten um Mitternacht am 2. August die Arbeit nieder, nachdem Verhandlungen in letzter Minute gescheitert waren. Gleichzeitig liefen im Hintergrund weitere Gespräche: Vertreter der Canadian Union of Public Employees (CUPE) blieben im Austausch mit der Leitung der in Calgary ansässigen Airline.
Kernkonflikt: Vergütungsmodell nur für die Flugzeit
Im Zentrum der Auseinandersetzung stand das bisherige Bezahlmodell. Demnach wird die Crew ausschliesslich für die tatsächliche Flugzeit bezahlt – also vom Moment, in dem das Flugzeug vom Gate zurücksetzt, bis zur Ankunft am Ziel.
Wartezeiten beim Boarding sowie mögliche Verzögerungen am Boden wurden nicht vergütet, und die Gewerkschaft verlangte hier eine grundlegende Änderung. Zwar bot WestJet eine Entschädigung für die Zeit am Boden an, doch CUPE bewertete das Angebot als nicht ausreichend – und der Streik folgte.
Rolle der kanadischen Regierung und politischer Druck
Die kanadische Regierung entschied sich, den Konflikt nicht zu beeinflussen: Es wurden weder Einschränkungen für den Arbeitskampf verhängt noch eine Zwangsschlichtung angeordnet. Abgeordnete übten jedoch Druck auf das Unternehmen aus, eine verhandelte Lösung zu erreichen.
Vorläufige Einigung: bekannte Eckpunkte und mögliche Anpassungen
Am Montag wurde schliesslich eine vorläufige Einigung bekannt gegeben; die vollständigen Details sind bislang nicht veröffentlicht. Bekannt ist, dass WestJet zuvor eine Lohnerhöhung von 13% für Oktober 2026 vorgeschlagen hatte, gefolgt von jährlichen Anpassungen von 2,5% bis 2029.
Zum Paket gehörten ausserdem höhere Pauschalen für Tage ausserhalb des Wohnorts, zusätzliche Urlaubstage, Verbesserungen bei der Regelung zur Mutterschaftszeit, Programme für flexiblere Arbeitsmodelle sowie Anpassungen in der Einsatzplanung, um die Lebensqualität der Kabinencrews zu steigern.
Es wird erwartet, dass die Gewerkschaft einem Vergütungssystem für die Boarding-Phase zugestimmt hat: Dabei erhalten die Crews einen prozentualen Anteil des Flugstundenlohns, wobei dieser Anteil während der Laufzeit des Vertrags schrittweise steigen soll – ähnlich wie bei der Vereinbarung, die im Jahr zuvor mit Air Canada getroffen wurde.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb und nächste Schritte
Während des Streiks strich WestJet Hunderte Flüge, was Tausende Passagiere betraf. Mit der Rückkehr der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in den Dienst soll die vorläufige Vereinbarung nun den Mitgliedern zur Prüfung und anschliessenden Abstimmung vorgelegt werden.
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