Zum Inhalt springen

Hunde und Katzen im Alter: Warnsignale erkennen und richtig handeln

Ältere Frau mit Hund und Katze am Tisch mit Medikamentenbox und Informationskarte zur Tiergesundheit.

Die steigende Lebenserwartung von Hunden und Katzen zählt zu den wichtigsten Erfolgen der Tiermedizin in den vergangenen Jahrzehnten. Dank ausgewogenerer Fütterung, Impfungen sowie immer moderneren Medikamenten und Therapien werden Haustiere heute deutlich älter. Gleichzeitig wächst damit eine neue Aufgabe: Diese Lebensphase soll für das Tier gesund, bequem und möglichst selbstständig bleiben.

Fachleute betonen, dass das Altern von Haustieren nicht einfach als natürlicher Ablauf verstanden werden sollte, bei dem jede Einschränkung zwangsläufig ist. Zahlreiche Veränderungen, die als „typisch fürs Alter“ gelten, können in Wirklichkeit Hinweise auf Erkrankungen sein, die behandelbar sind und sich bei früher Diagnose gut kontrollieren lassen.

„Viele verbinden das Alter bei Tieren nur mit dem Lebensende, dabei ist es in Wahrheit eine neue Phase, die gezielte, spezielle Pflege verlangt“, warnt Thayná Neves Cardoso, Tierärztin, Dozentin an der Universidade de Mogi das Cruzes (UMC) und Spezialistin für Physiotherapie, Rehabilitation und veterinärmedizinische Akupunktur.

Altern erfordert Aufmerksamkeit ab den ersten Anzeichen

Wie beim Menschen ist es entscheidend, den Beginn des Älterwerdens rechtzeitig zu erkennen, um vorbeugend zu handeln und den Einfluss typischer Erkrankungen dieser Lebensphase zu verringern.

Nach Einschätzung der Expertin gilt: Je früher Bezugspersonen Veränderungen bemerken, desto größer ist die Chance, Hunde und Katzen länger stabil und gesund zu halten.

„Je früher wir erkennen, dass das Tier älter wird, desto besser können wir Krankheiten vorbeugen, Schmerzen kontrollieren und über viele Jahre Lebensqualität sichern. Durch die Fortschritte in der Veterinärmedizin leben Hunde und Katzen länger als noch vor einigen Jahrzehnten – die Aufgabe besteht deshalb nicht mehr nur darin, die Lebenserwartung zu erhöhen, sondern sicherzustellen, dass diese zusätzlichen Jahre mit Komfort und Wohlbefinden gelebt werden“, unterstreicht Thayná.

Veränderungen sollten nicht als „altersbedingt“ abgetan werden

Viele Halterinnen und Halter erklären jede Verhaltensänderung vorschnell mit dem Alter. Diese Sichtweise kann jedoch dazu führen, dass relevante gesundheitliche Probleme zu spät erkannt werden.

Wenn ein Tier etwa schlechter läuft, Mühe hat, aufzustehen oder Treppen zu steigen, kann das auf Osteoarthritis hindeuten – eine Erkrankung, die bei älteren Tieren besonders häufig ist.

Aus Sicht der UMC-Dozentin kann das Übersehen solcher Hinweise die Lebensqualität von Hunden und Katzen erheblich beeinträchtigen.

„Diese Verhaltensweisen sind sehr häufig ein Zeichen für Schmerzen, vor allem infolge von Osteoarthritis“.

Neben Gelenkschmerzen sollten auch kognitive Veränderungen ernst genommen werden, die mit zunehmendem Alter auftreten können.

Anzeichen, die zeigen, dass der Hund oder die Katze tierärztlich untersucht werden sollte

Bezugspersonen sollten jede Änderung im Verhalten oder in der täglichen Routine aufmerksam verfolgen. Zu den wichtigsten Warnsignalen zählen:

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen
  • Widerwillen, Treppen zu steigen oder zu springen
  • kürzere oder weniger Spaziergänge
  • ausgeprägte Müdigkeit
  • längere Schlafzeiten
  • Verlust an Muskelmasse
  • Verhaltensveränderungen
  • Orientierungslosigkeit
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus

Auch wenn solche Symptome bei älteren Tieren häufiger vorkommen, sollten sie nicht als unvermeidlich hingenommen werden.

„Wichtig ist: Viele dieser Signale sind nicht die natürliche Folge des Alters, sondern Ausdruck behandelbarer Krankheiten. Eine vorbeugende Betreuung macht den entscheidenden Unterschied – mit Schmerzmonitoring, Kontrolle des Körpergewichts und chronischer Erkrankungen, altersgerechter Fütterung, passenden Bewegungsempfehlungen sowie Hinweisen zu Anpassungen im Zuhause, um Ausrutschen und Stürze zu vermeiden“, betont Thayná.

Physiotherapie kann die Lebensqualität deutlich verbessern

Neben klassischen Behandlungsansätzen etabliert sich die veterinärmedizinische Physiotherapie zunehmend als wichtiger Baustein für die Gesundheit älterer Tiere.

Im Mittelpunkt stehen dabei: Beweglichkeit erhalten, Muskulatur stärken, Schmerzen lindern und den funktionellen Abbau verlangsamen – damit Hunde und Katzen ihre Selbstständigkeit möglichst lange bewahren.

„Wie in der Humanmedizin helfen diese Therapien, Muskelmasse zu erhalten, das Gleichgewicht zu verbessern, Gelenkschmerzen zu reduzieren und den Funktionsverlust hinauszuzögern. Darüber hinaus lassen aufmerksame Halterinnen und Halter ihre älteren Tiere häufiger untersuchen und machen regelmäßiger Check-ups“.

Zu den heute verfügbaren Möglichkeiten gehören Hydrotherapie, therapeutische Übungen, Lasertherapie, Akupunktur und moderne Protokolle zur Schmerzbehandlung.

Check-ups sollten häufiger stattfinden

Da Hunde und Katzen deutlich schneller altern als Menschen, sollte auch die tierärztliche Begleitung entsprechend engmaschiger sein.

Empfohlen wird, ältere Tiere alle sechs Monate klinisch untersuchen zu lassen. So können Veränderungen bereits früh erkannt werden, was die Erfolgschancen der Behandlung erhöht und spätere Komplikationen eher verhindert.

Älterwerden bedeutet nicht, Lebensqualität zu verlieren

Die moderne Tiermedizin bietet zahlreiche Optionen, um Tieren im Alter mehr Komfort zu ermöglichen. Entscheidend ist, nicht erst dann Hilfe zu suchen, wenn sich Beschwerden deutlich verschlimmern.

„Der Punkt, der alles verändert, ist zu verstehen: Altern bedeutet nicht leiden. Kleine Veränderungen können viel bewirken, und die tierärztliche Hilfe sollte gesucht werden, bevor sich die Signale des Tieres verstärken. Heute stehen uns Angebote wie Physiotherapie, Rehabilitation, Hydrotherapie, therapeutische Übungen, Lasertherapie, Akupunktur und eine multimodale Schmerztherapie zur Verfügung. Damit können Hunde und Katzen über viele Jahre aktiv, unabhängig und mit ausgezeichneter Lebensqualität bleiben – sodass das Altern mit Komfort, Autonomie und Wohlbefinden einhergeht“, schließt die Expertin.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen