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Wie Marc mit 62 durch Arbeiten im Ruhestand eine zweite Rente und 400 Euro mehr pro Monat bekam

Älterer Mann mit Brille berechnet Finanzen am Küchentisch, Laptop zeigt Diagramme, Tasse Kaffee daneben.

Nach einer holprigen Laufbahn im Bankwesen hatte Marc sich damit arrangiert, im Ruhestand auf etwa 1.400 Euro Monatsrente zu kommen. Dann wies ihn ein Berater auf eine legale Möglichkeit hin, über Erwerbsarbeit im Ruhestand eine zweite, zusätzliche Rentenzahlung aufzubauen – lebenslang, ohne Tricksereien und ohne Ärger mit den Behörden. Am Ende standen rund 400 Euro mehr pro Monat.

Ein Rentner entdeckt mit 62 ein fast unbekanntes System

Marc ist weder Börsenkenner noch Rentenexperte, sondern ein typischer ehemaliger Angestellter. Seine Altersrente lief bereits, er hatte sämtliche Ansprüche geltend gemacht und ging fest davon aus: Was monatlich eingeht, bleibt bis ans Lebensende in dieser Höhe.

Erst im Gespräch mit einem Rentenberater stieß er auf ein Instrument, das in Deutschland grob unter „Arbeiten neben der Rente“ bekannt ist, in seinem Fall jedoch deutlich weiter reichte. Im französischen System beschreibt das Modell sinngemäß: volle Auszahlung der bisherigen Rente plus zusätzliche Rente aus einer neuen Tätigkeit.

"Der Clou: Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann seine bisherige Rente ungekürzt weiter erhalten und parallel neue Rentenansprüche für eine zweite, separate Zusatzrente aufbauen."

Für Marc hieß das konkret: Nach dem offiziellen Rentenbeginn nahm er nochmals eine Stelle an – allerdings nur unter klaren Vorgaben. Denn nicht jeder Hinzuverdienst führt automatisch zu neuen Rentenansprüchen. Wer die formalen Anforderungen verfehlt, arbeitet zwar, zahlt Beiträge, bekommt am Ende aber exakt 0 Euro zusätzliche Rente.

Voller Rentenbezug plus Job: Wann das Modell überhaupt lohnt

Grundsätzlich gibt es bei Arbeit im Ruhestand zwei Ausprägungen: eine Variante mit Begrenzung des Gesamteinkommens und eine ohne Begrenzung, bei der sowohl Rente als auch Erwerbseinkommen vollständig ausgezahlt werden. Nur diese zweite Variante eröffnet in Frankreich seit 2023 die Möglichkeit, eine zusätzliche, zweite Rente aufzubauen.

Die entscheidenden Voraussetzungen

Marc erfüllte die Anforderungen punktgenau:

  • Er hatte das reguläre Rentenalter erreicht.
  • Er konnte alle notwendigen Versicherungszeiten für eine Rente ohne Abschlag nachweisen.
  • Er hatte sämtliche Renten – gesetzlich und betrieblich, im In- und Ausland – bereits beantragt.
  • Er begann eine neue Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber.

Weil diese Punkte erfüllt waren, erhielt er seine ursprüngliche Rente weiterhin unverändert und konnte zusätzlich an zwei Tagen pro Woche als Berater arbeiten. Das Honorar lag bei rund 2.500 Euro brutto monatlich, vorgesehen für etwa 18 Monate. Die dabei gezahlten Beiträge wurden einem „neuen Rentenkonto“ zugeordnet, aus dem später eine zusätzliche Rente berechnet wird.

"Hätte Marc ohne vollen Rentenanspruch weitergearbeitet, wäre sein Einkommen gedeckelt und seine Beiträge wären wirkungslos geblieben – keine zweite Rente, nur mehr Arbeit."

Die heikle 6‑Monats-Falle beim alten Arbeitgeber

Ein entscheidendes Detail: Marc wechselte den Arbeitgeber. Wäre er unmittelbar nach Rentenbeginn zu seinem früheren Betrieb zurückgegangen, hätte er eine Sperrfrist einhalten müssen. In seinem System gilt: Mindestens sechs Monate Unterbrechung, andernfalls werden die neuen Beiträge nicht für zusätzliche Ansprüche berücksichtigt.

Wer diese Frist versäumt, kann das später nicht einfach „zurücksetzen“. Die Beiträge bleiben dann ohne rentensteigernde Wirkung – obwohl ganz regulär eingezahlt wurde.

Wie die zweite Rente konkret berechnet wird

Seit Anfang 2023 fließen die Beiträge aus der neuen Tätigkeit in einen getrennten Topf der gesetzlichen Rentenversicherung. Die bereits laufende Rente wird dabei nicht verändert. Daraus entsteht eine zweite Zahlung – lebenslang, jedoch mit Obergrenze.

Deckelung bei der gesetzlichen Komponente

Die zweite gesetzliche Rente wird in Marcs System nach festen Regeln ermittelt:

  • Sie wird stets mit vollem Rentenfaktor berechnet, ohne Abschläge.
  • Zuschläge, etwa für Kinder, gibt es in diesem Teil nicht.
  • Höchstens 5 Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgröße sind möglich.

Für aktuelle Jahrgänge bedeutet das: knapp über 2.300 Euro brutto pro Jahr als Maximum, also rund 200 Euro monatlich an zusätzlicher gesetzlicher Rente. Dieser Betrag wird dauerhaft gezahlt – solange man lebt. Mehr lässt sich im gesetzlichen Teil über dieses Instrument nicht erreichen.

Zusätzliche Punkte in der Betriebs- oder Zusatzrente

Gleichzeitig gehen die Beiträge aus der neuen Tätigkeit auch in die ergänzende Rentenversicherung des jeweiligen Systems ein. Im Unterschied zum gesetzlichen Teil gibt es dort keine so harte Deckelung.

Bei Marcs Verdienstniveau und der Dauer der Beschäftigung ergab sich:

  • eine zweite gesetzliche Rente nahe der genannten Jahresobergrenze,
  • zusätzliche Punkte in der ergänzenden Rente,
  • insgesamt ein Plus von rund 300 bis 400 Euro im Monat.

Wer nur in Teilzeit arbeitet oder deutlich weniger verdient, landet eher bei 30, 50 oder 80 Euro zusätzlich pro Monat – allerdings ebenfalls lebenslang.

Checkliste: So lässt sich der Renten-Booster rechtssicher nutzen

Damit das Modell nicht ins Gegenteil umschlägt, braucht es ein sauberes Vorgehen. Die französischen Vorgaben sind sehr detailreich; das Grundprinzip lässt sich jedoch in klaren Schritten darstellen, die auch deutschen Leserinnen und Lesern helfen können, das eigene System genauer zu hinterfragen.

Wichtige Schritte im Überblick

Schritt Ziel
1. Vollrente prüfen Sicherstellen, dass das normale Rentenalter mit allen Versicherungszeiten erreicht ist.
2. Alle Renten beantragen Gesetzliche, betriebliche und Auslandsrenten in einem Zug in Anspruch nehmen.
3. Geeigneten Job wählen Am besten neuer Arbeitgeber oder Einhaltung der Wartefrist beim alten Betrieb.
4. Aufnahme der Arbeit melden Der Rentenversicherung rechtzeitig Bescheid geben, damit die Beiträge richtig verbucht werden.
5. Genug Beschäftigungsdauer einplanen Mindestens ein Jahr, besser bis zu zwei Jahre, um spürbare Ansprüche aufzubauen.
6. Neue Rente gesondert beantragen Spezialantrag stellen, damit die zweite Rente überhaupt berechnet und ausgezahlt wird.

"Ohne aktiven Antrag bleibt die zweite Rente oft liegen. Viele Ruheständler wissen nicht einmal, dass sie Anspruch darauf hätten."

Warum der Zeitpunkt beim Rentenstart plötzlich so wichtig wird

Im französischen System ist für das Jahr 2027 bereits eine Reform zum Arbeiten im Ruhestand gesetzlich festgeschrieben. Wer den Rentenbeginn ungünstig plant, rutscht möglicherweise in die strengere Variante mit Einkommensbegrenzung – und zahlt dann Beiträge, ohne zusätzliche Ansprüche zu erwerben.

Auch in Deutschland kann jede Rentenreform dazu führen, dass ein schlechter Zeitpunkt spürbar Geld kostet. Marcs Beispiel macht das klar: Ohne den Hinweis des Beraters hätte er über Jahrzehnte hinweg zigtausend Euro verschenkt.

Was deutsche Rentner aus Marcs Fall lernen können

Auch wenn sich die Systeme deutlich unterscheiden, bleibt die Kernbotschaft gleich: Rente ist heute ein strategisches Thema und längst kein reiner Verwaltungsvorgang. Wer sich rechtzeitig informiert, entdeckt Spielräume, die zunächst unsichtbar wirken.

Für Deutschland lohnt sich beispielsweise ein genauer Blick auf:

  • Regeln zum Hinzuverdienst vor und nach Erreichen der regulären Altersgrenze,
  • Möglichkeiten, über eine spätere Inanspruchnahme der Rente Zuschläge zu erhalten,
  • die Kombination aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge,
  • Optionen zur freiwilligen Beitragszahlung, etwa um Lücken zu schließen.

Viele Menschen in Deutschland unterschätzen, wie stark einzelne Weichenstellungen – etwa ein Jahr länger arbeiten, Teilzeit statt kompletter Ausstieg oder ein Wechsel des Arbeitgebers vor Rentenbeginn – die monatliche Rente langfristig beeinflussen können.

Risiken, Grenzen und sinnvolle Kombinationen

Auf den ersten Blick wirkt Marcs Vorgehen wie ein perfekter Tausch: etwas Arbeit gegen deutlich mehr Geld im Alter. Trotzdem sollten zentrale Punkte nüchtern geprüft werden – Gesundheit, Belastbarkeit, Steuern und Sozialabgaben. Die Zusatzrente ist kein Geschenk, sondern die Folge zusätzlicher Arbeit und zusätzlicher Beiträge.

Wer gesundheitlich angeschlagen ist oder in körperlich schweren Berufen gearbeitet hat, fährt oft besser, wenn er früher aufhört und stärker auf private oder betriebliche Vorsorge setzt. Andere wiederum gewinnen erheblich, wenn sie nach Rentenbeginn moderat in Teilzeit tätig bleiben und dies mit gezielten Einzahlungen in die Altersvorsorge kombinieren.

Der Fall Marc zeigt vor allem eines: Rente ist längst ein Lebensprojekt. Wer die Regeln kennt, kann Hunderte Euro im Monat zusätzlich erhalten – legal, dauerhaft und ohne riskante Finanzprodukte. Wer lediglich den Standardantrag stellt und darauf vertraut, dass „die da oben“ schon alles optimal regeln, verzichtet still auf Geld, das ihm eigentlich zustehen könnte.


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